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Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu Arbeitsmarkt/Tarifbindung

Stuttgart (ots) - Wie das Forschungsinstitut IAB feststellt, arbeitet nur noch jeder zweite Beschäftigte in einem Unternehmen, für das ein Branchentarifvertrag gilt - im Westen. Im Osten gilt lediglich für etwa jeden Dritten ein Tarifvertrag. Der Trend ist klar: Die Tarifbindung geht beständig zurück. Grund ist weniger der schwindende Organisationsgrad der Arbeitnehmer in den Gewerkschaften, sondern eher die abnehmende Akzeptanz von Tarifverträgen auf der Arbeitgeberseite. Den Ausstieg streben nicht nur notleidende Unternehmen an, die sich die Tarife nicht mehr leisten können. Mitunter hat die Abkehr vom Tarif auch irrationale Gründe.

Es muss Besorgnis erregen, wie sehr das Fundament der Arbeitgeberverbände bröckelt. Sie büßen gerade dort Mitglieder ein, wo sie selbst schwach sind - vor allem in Ostdeutschland -, derweil Südwestmetall zum Beispiel noch auf sicheren Füßen steht. Indem die Verbände die Unternehmen im Verband halten, aber von der Tarifbindung freistellen, haben sie einen Ausweg eröffnet. Dies bewirkt zunächst eine Stabilisierung; langfristig verlieren die Tarifverträge weiter ihre Bedeutung.

Die tarifpolitische Funktion der Sozialpartner geht verloren. Vermisst wird daher eine gemeinsame Botschaft: Über die Branchen Metall und Chemie hinaus sind Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften dazu aufgerufen, für den Erhalt der Tarifverträge zu kämpfen. Eine Entsolidarisierung und unfairer Wettbewerb in Form eines tariflosen Zustands schaden letztendlich auch dem Gros der Unternehmen.

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