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Börsen-Zeitung: Schöne Tochter, Kommentar zu RWE & Innogy von Christoph Ruhkamp

Frankfurt (ots) - Ausgerechnet der immense Erfolg beim Börsengang des Stromnetzbetreibers Innogy wirft ein helles Schlaglicht auf den desaströsen Zustand des Mutterkonzerns RWE. Das zeigt eine einfache Rechnung: Innogy bringt eine Marktkapitalisierung von rund 20 Mrd. Euro auf die Waage. Der Mutterkonzern RWE, der nach der Erstnotiz von Innogy noch immer rund drei Viertel der Anteile an der Tochter besitzt, wird an der Börse aber nur mit gut 8 Mrd. Euro bewertet. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der bei RWE verbleibende Kraftwerkspark wegen des teuren Ausstiegs aus der Atomenergie und der Braunkohleve von den Investoren ausschließlich als eine milliardenschwere Last angesehen wird.

Mit diesem Urteil liegen sie richtig. RWE drücken Schulden von 28 Mrd. Euro, und der Konzern braucht den Emissionserlös von 3 Mrd. Euro aus dem Verkauf seiner Anteile an Innogy sehr dringend. Allein für die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung des Atommülls wird RWE einen Betrag von mehr als 6 Mrd. Euro an eine öffentlich-rechtliche Stiftung überweisen müssen. Eine Summe in ähnlicher Größenordnung wird für den Abriss und Rückbau der Atomkraftwerke sowie die Verpackung des Atommülls fällig. Hinzu kommen die langfristig anfallenden Milliardenkosten für die Wiederherstellung zerstörter Landschaften im rheinischen Braunkohlerevier. Trotz allem ist der Börsengang von Innogy für RWE ein Riesenerfolg. Denn der Konzern, dem kaum noch ein Investor oder eine Bank Kapital zur Verfügung stellen wollte, hat sich mit der nun börsennotierten Tochter eine gute Finanzierungsquelle geschaffen. RWE will zwar langfristig die Mehrheit an Innogy behalten, kann aber noch weitere 25% der Anteile versilbern. Hinzu kommen die zu erwartenden Dividenden von Innogy.

Die schöne Tochter stand bisher für rund 80% des operativen Konzerngewinns von RWE. Kerngeschäft der Innogy sind die Netze, die dank der staatlichen Regulierung stabile Einnahmen versprechen. Der Börsenneuling lockt die Investoren mit einer Dividende bereits für das laufende Jahr. Innogy will 70 bis 80% des um Sondereffekte bereinigten Nettogewinns ausschütten. Letzterer lag in der ersten Hälfte dieses Jahres laut Börsenprospekt bei 1,3 Mrd. Euro. Ein Großteil der Dividende wird bei der Mutter RWE landen. Ein großes Risiko für Innogy-Investoren bleibt: Wenn RWE mit seinen Verpflichtungen überfordert sein sollte, dann haftet auch Innogy weiter dafür. Dafür sorgt das Umwandlungsgesetz, das die Haftung allerdings auf fünf Jahre begrenzt.

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