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Börsen-Zeitung: Visionen, Kommentar von Bernd Weber zur Bilanzpressekonferenz der Porsche Automobil Holding

    Frankfurt (ots) - Die Verschmelzung von Porsche und Volkswagen soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 vollendet sein. Das jedenfalls ist der Plan. Die gemeinsame Zukunft hat schon begonnen, was sich an der Besetzung des Podiums bei der Bilanzpressekonferenz der Porsche Automobil Holding SE in Stuttgart ablesen ließ. Dort präsentierten sich am gestrigen Mittwoch erstmals Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch in ihrer Doppelfunktion als Vorstands- und als Finanzchef von Volkswagen und nun eben der Porsche SE mit Porsche-AG-Chef Michael Macht an ihrer Seite.

    Winterkorn wird bis zur Verschmelzung beider Autobauer Chef der Holding sein, mithin vielleicht zwei Jahre. Die Endlichkeit dieser Aufgabe ist dem VW-Boss anzumerken, in mehreren Aussagen lässt er dies - bewusst oder unbewusst - durchblicken. Gefühlt tritt er jedenfalls weniger als CEO der Porsche Holding auf denn als Boss von Volkswagen. Winterkorn will Porsche als starke zehnte Marke in seinem Wolfsburger Reich sehen; wie Porsche bis dahin die hohe Verschuldung abbaut, das beispielsweise ist Sache seines Finanzchefs Pötsch.

    All das muss nicht bedeuten, dass die Freiheiten von Macht als Chef der operativen Porsche-Einheit eingeschränkt werden. Solange Porsche ihre Rendite auf Spitzenniveau hält, peppt der Sportwagenbauer schließlich die VW-Konzernmarge auf und Macht muss es dann auf den ersten Blick nicht bange sein. Denn je besser die Marke dastehe, umso größer seien die Freiheiten im VW-Konzern, sagt Winterkorn. Eigene Entwicklung, eigene Produkte, eigener Vertrieb, interpretiert Macht diese Freiheit.

    Wie weit die Eigenständigkeit von Porsche künftig geht, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Zukunft des Porsche-Entwicklungszentrums Weissach ist zwar gesichert, aber ob zusätzliche Aufträge kommen, lässt Winterkorn offen. Sollte Karmann statt Magna den Zuschlag für die Porsche-Boxster-Produktion ab 2012 bekommen, kann dies zumindest als Signal interpretiert werden, dass es um die Freiheit der Porsche-Entscheidungen eher schlecht bestellt ist. Schließlich warf Magna Karmann bei der ursprünglichen Auftragsvergabe aus dem Rennen. Die Visionen von Winterkorn und Macht können in den wesentlichen Punkten durchaus deckungsgleich sein, sie müssen es aber nicht.

    (Börsen-Zeitung, 26.11.2009)

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