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17.06.2003 – 14:08

DIE ZEIT

ZEIT Forum der Wissenschaft: Die vergreiste Nation
Experten diskutierten in Berlin über die Kultur des Alters

    Hamburg (ots)

Auf dem neunten ZEIT Forum der Wissenschaft in der Berlin Brandenburgischen Akademie diskutierten führende Experten unter dem Titel Die vergreiste Republik  über die "demographische Zeitenwende". Angesichts der deutlich gestiegenen Lebenserwartung bei abnehmender Geburtenrate und der daraus resultierenden Überalterung der deutschen Gesellschaft plädierten sie für eine langfristige Strategie gegen das Versagen der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes.

    Niels Annen, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten, und Philipp Missfelder, Chef der Jungen Union, kritisierten die kurzsichtige Reformpolitik der kleinen Schritte. "Die Rente mit 70 darf kein Tabu sein", sagte Missfelder in Berlin.

    "Wir leben in einer Gesellschaft, die von der Struktur eines typischen Lebenslaufs für eine deutlich jüngere Bevölkerung gemacht ist",  sagte Paul Baltes, führender Altersforscher vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. "Die jungen Alten, also die 70- bis 80-jährigen müssen zu aktiven Teilnehmern des Gesellschafts- und Arbeitslebens werden." Es gelte, die Segmentierung von Bildung, Familie, Arbeit, Freizeit und Ruhestand aufzuheben.

    Für eine Verlängerung der Erwerbs-Biographie sprach sich auch Jutta Allmendinger, Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, aus. Sie kritisierte die gegenwärtige Verdichtung der beruflichen Belastung auf wenige Lebensjahre. "Meinem Sohn wünsche ich ein Arbeitsleben, das von Phasen intensiver Tätigkeit im Wechsel mit Sabbaticals, Erziehungsurlaub oder Auslandsaufenthalten geprägt ist - und entsprechend länger dauert, als eine heutige Erwerbs-Biographie."

    Auch Gert Wagner, Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik von der TU-Berlin und Mitglied der Rürup-Kommission plädierte für eine längere Lebensarbeitszeit: "Wenn länger gearbeitet wird, sind höhere Beitragszahlungen und Steuereinnahmen gewährleistet - und die Rente muss kürzer gezahlt werden. Das ist in der Tat der Königsweg."


ots Originaltext: DIE ZEIT
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Weitere Informationen:

Andreas Sentker
DIE ZEIT Leiter Ressort Wissen
Tel.: 040 / 32 80 - 469
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