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Regisseur Sidney Lumet kritisiert Fixierung der US-Bürger auf Geld

Hamburg (ots)

Der amerikanische Regisseur Sidney Lumet kritisiert die Fixierung seiner Landsleute auf Geld. Nie zuvor habe man in seinem Land so hart um die Dollars gekämpft, sagt er der ZEIT. "Es ist ein Überlebenskampf. Denken Sie nur an die Berge von Geld, die man für Wohnungsmieten oder Häuser aufbringen muss. Jetzt bricht das alles total zusammen, mit fürchterlichen Konsequenzen für viele. Aber Geld ist bei uns das große Ding, das große Thema, es steckt hier drin", er tippt sich an die Stirn. "Diese Haltung ist in den letzten Jahren immer radikaler geworden. Sie hat unser Leben hier von allem, was jenseits davon ist, isoliert", sagt der 83-Jährige, dessen neuester Film "Tödliche Entscheidung" sich um das Thema dreht.

Immer wieder hat Sidney Lumet in seinen Polizei- und Justizfilmen auch den Rassismus der amerikanischen Gesellschaft angeprangert. "Der Rassismus sitzt so tief", sagt Lumet, "er ist der Fluch dieses Landes." Daher kann der Regisseur, selbst Vater zweier farbiger Töchter, Hillary Clinton nicht verzeihen, dass sie mit den rassistischen Äußerungen ihrer eigenen Parteifreunde taktisch umging, statt sie entschieden zurückzuweisen. "Und Barack Obama hat mit seiner Rede über die Rassen gezeigt, worum es in diesem Land geht."

Lumet lebt in New York - der Stadt, in der er die ärmliche Kindheit eines jüdischen Einwanderersohnes verbrachte, in der er über vierzig Filme drehte und in der er auch sterben wolle. "New York", sagt Lumet der ZEIT, habe sich sehr verändert, "aber ich liebe die Stadt trotzdem."

Zum Erscheinungsbild von Sidney Lumet gehören neben seiner Baseballmütze weiße Socken. Es sind die weißen Socken der New Yorker Polizisten, also auch der korrupten Cops und schlecht bezahlten Detectives, die seit einem halben Jahrhundert Sidney Lumets Thriller und Gerichtsfilme bevölkern. "Irgendwie habe ich mir angewöhnt, die Socken auch selbst zu tragen", sagt der Regisseur, "vielleicht weil ich mich mit den Typen verbunden fühle. Egal wie gut oder böse, korrupt oder unbestechlich sie sind. Dabei sind die Dinger wirklich hässlich."

Pressekontakt:

Den kompletten ZEIT-Text der ZEIT Nr. 16 vom 10. April 2008 senden
wir Ihnen gerne zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Elke
Bunse, DIE ZEIT Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Tel.:
040/3280-217, Fax: 040/3280-558, E-Mail: bunse@zeit.de)

Original-Content von: DIE ZEIT, übermittelt durch news aktuell

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