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Köhler fordert besseren Bildungszugang für Arme

Hamburg (ots) - Nach Ansicht von Bundespräsident Horst Köhler sollten Studiengebühren nur erhoben werden, wenn gleichzeitig ein "wirksames Stipendiensystem" für arme Studenten eingeführt wird. "Armut oder soziale Herkunft dürfen nirgendwo den Zugang zu Bildung versperren. Deshalb sollten Studiengebühren nur in Betracht kommen, wenn es gleichzeitig ein wirksames Stipendiensystem gibt", sagt Köhler dem ZEITmagazin LEBEN. "Mich bedrückt es, dass auch das Bildungssystem in Deutschland es jungen Menschen aus ärmeren Schichten schwer macht, aufzusteigen. Ich selber komme aus einer armen Familie, durch Zufall bekam ich die Chance, eine höhere Schule zu besuchen. Ich weiß also, was das bedeutet", sagt Köhler.

Als Flüchtlingsjunge in den fünfziger Jahren habe er einem engagierten Grundschullehrer viel zu verdanken: "Es gab einen Lehrer in der Grundschule, der sich dachte: Dieser Bub hat Potenzial. Er sprach mit mir, als ich einmal nachsitzen musste, weil ich mich im Unterricht danebenbenommen hatte. Der Lehrer sagte: Du kannst weiter stören, oder du kannst richtig lernen und deine Fähigkeiten entfalten. Als wir von einem Flüchtlingslager ins nächste zogen, schrieb er sogar an die dortige Schulverwaltung, sie sollten meinen Eltern sagen, dass ihr Bub aufs Gymnasium geschickt werden sollte - meine Eltern kannten sich ja nicht aus mit dem Schulsystem in Westdeutschland. Dieser Lehrer gab meinem Leben eine entscheidende Weichenstellung, und deswegen konnte ich es bis zum Präsidenten bringen."

Köhler wurde mit sieben Geschwistern in eine Bauernfamilie hineingeboren. Seine Eltern waren während des Zweiten Weltkriegs aus Bessarabien, heute Rumänien, in das besetzte Polen umgesiedelt worden. Später floh seine Familie, Köhler wuchs in Flüchtlingslagern auf. "Als meine Eltern mit uns Kindern nach West-Berlin kamen, hatten wir nichts. Der Schleuser, der uns vom Osten in den Westen brachte, nahm unser letztes Geld."

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Das komplette ZEIT-Interview der ZEIT Nr. 5 vom 24. Januar 2008
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