Whale & Dolphin Conservation gGmbH
Gerichtsprozesse in Island entfachen neue Debatte über den Walfang
Heute, am 22. Januar startet der Gerichtsprozess gegen zwei isländische Aktivistinnen, die 2023 im Rahmen einer Demonstration in Reykjavík die beiden Walfang-Schiffe Hvalur 8 und 9 besetzt hatten, die dem Walfänger Kristján Loftsson gehören. Loftsson selbst steht eine Entschädigungsklage seiner Angestellten bevor. Der Auftakt der Gerichtsverfahren eröffnet erneute Diskussionen und Kritik zum Fortbestand des Walfangs in Island.
Die beiden Künstlerinnen Elissa Phillips und Anahita Sahar Babaei sind am 22. Januar erstmals vor Gericht geladen. Ihre Anklagen richten sich auf Hausfriedensbruch und den Verstoß gegen maritime Sicherheitsgesetze, da sie während einer Demo-Veranstaltung im Sommer 2023 zwei im Hafen von Reykjavík angelegte Walfang-Schiffe des isländischen Walfang-Unternehmens Hvalur hf. besetzt hatten. Kristján Loftsson, Geschäftsführer von Hvalur hf., ist als Zeuge vor Gericht geladen.
In wenigen Wochen soll auch der Gerichtsprozess zur Entschädigungsklage gegen Kristján Loftsson selbst starten. Umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro (224 Millionen isländische Kronen) soll das Unternehmen im Zeitraum vom 1. Oktober 2023 bis 30. September 2024 verloren haben, da durch die temporären Walfang-Verbote während der behördlichen Überprüfungen gegen Tierschutzverstöße kein Walfleisch erwirtschaftet werden konnte. Die angeheuerten Saison-Arbeiter bestehen dennoch auf die Auszahlung ihrer Gehälter. Loftsson selbst hatte seine Angestellten aufgefordert, Klage gegen Hvalur hf. zu erheben. Gewinnen die Angestellten den Fall, könnte Loftsson die Klage auf Einkommensverluste, aufgrund der von der Regierung angeordneten Walfang-Stopps, an die Regierung weitergeben und seine Position damit stärken.
Obwohl das Unternehmen Ende 2024 – trotz anhaltender Proteste aus der isländischen Bevölkerung und Behördenberichten, die Tierschutzverstöße bei der Jagd bestätigten – neue Walfang-Lizenzen über fünf Jahre erteilt bekommen hatte, ist Loftssons Walfangflotte 2025 im Hafen geblieben. Als Grund gab Loftsson an, dass die Frage der Entschädigung für die Saison-Ausfälle in 2023 und 2024 erst geklärt werden müsse. Somit wurden im vergangenen Jahr keine Wale vor Island getötet.
Beide Gerichtsverfahren eröffnen neue Diskussionen und Kritik an der Fortführung des isländischen Walfangs. Die massiven Verluste von Hvalur hf. zeigen, dass die Jagd längst nicht mehr wirtschaftlich ist. Hinzu kommt, dass Japan, als größter Abnehmer von isländischem Finnwal-Fleisch, im Juni 2024 die eigene Jagd auf Finnwale aufgenommen hat. Somit fällt für Hvalur hf. ein bedeutendes Exportgeschäft weg. Auch die anhaltenden Tierschutzfragen beim Walfang sind trotz erneuerter Jagd-Lizenzen nicht final geklärt und könnten nun wieder Thema werden.
WDC hat einen Gesetzesentwurf unterstützt, der darauf abzielt, den isländischen Walfang dauerhaft zu beenden, und steht weiterhin in Kontakt mit isländischen Jurist:innen und politischen Entscheidungsträger:innen.
"WDC unterstützt ein dauerhaftes gesetzliches Verbot des isländischen Walfangs. Die Flotte stand 2025 still. Das Unternehmen verliert Millionen. Der Markt ist zusammengebrochen. Die strafrechtliche Verfolgung von Protestierenden wird daran nichts ändern. Es ist Zeit, dem ein Ende zu setzen", sagt Luke McMillan, Leiter des Bereichs Jagd und Gefangenschaft bei WDC.
Whale and Dolphin Conservation (WDC) ist die weltweit führende gemeinnützige Organisation, die sich ausschließlich dem Schutz von Walen und Delfinen widmet. Im Rahmen von Kampagnen, politischer Überzeugungsarbeit, Bildung, Beratung, Forschung, Rettungs- und Schutzprojekten sowie Mitmach-Aktionen verteidigt WDC Wale und Delfine gegen die zahlreichen Gefahren, denen sie heute ausgesetzt sind. Das kommt auch dem Klima zugute, da Wale unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel sind und eine wichtige Rolle im Ökosystem Meer spielen. WDC-Expert:innen arbeiten in nationalen, europäischen und internationalen Arbeitsgruppen, sind in allen relevanten internationalen Foren vertreten und haben direkten Einfluss auf maßgebliche Entscheidungen zur Zukunft von Walen und Delfinen. Wir sind Ansprechpartner:innen für Medien, Öffentlichkeit und Entscheidungsträger:innen.
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