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SPD, Grüne und FDP: Autoindustrie soll für Dieselumrüstung zahlen / Parteien fordern teure, aber effiziente Hardware-Lösung zur Stickoxidreduzierung

Köln (ots)

Vor dem zweiten Dieselgipfel der Bundeskanzlerin mit den Kommunen am 
heutigen Dienstag (28.11.2017) fordern drei von sechs 
Bundestagsfraktionen, dass die Autofirmen sogenannte 
Hardware-Umrüstungen umsetzen und bezahlen sollen. Das ergab eine 
Umfrage der WDR-Doku-Redaktion die Story unter den Fraktionen in 
Berlin. Bei der Hardware-Lösung handelt es sich um eine technisch 
aufwendige Umrüstung, um Stickoxid im Abgas von Dieseln wirksam zu 
reduzieren. Bislang setzt die Autoindustrie auf so genannte 
Software-Lösungen, die weitaus preiswerter, aber deutlich weniger 
effektiv sind.

"Die SPD-Bundestagsfraktion fordert entschieden und mit Nachdruck von
der Automobilindustrie, dass sie alle technischen Möglichkeiten nutzt
und eine Nachrüstung von Euro 5- und Euro 6-Dieselfahrzeugen auf 
eigene Kosten durchführt", sagt Sören Bartol, stellvertretender 
Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, gegenüber der Story. 
Ansonsten drohten laut Bartol Fahrverbote, die nicht akzeptabel 
seien.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger hält von einer 
Hardware-Umrüstung sehr viel, weil seiner Ansicht nach 
Software-Lösungen nicht ausreichten. "Die kritische Frage ist ja 
nicht, ob umgerüstet werden muss, sondern wer es bezahlt", so der 
frühere Continental-Vorstand. "Und obwohl ich über 25 Jahre in der 
Automobilbranche gearbeitet habe, sage ich hier klipp und klar: 
derjenige, der es verursacht hat, nämlich die Automobilbranche." Es 
könne laut Sattelberger nicht sein, dass die Kosten für eine 
Hardware-Umrüstung auf den Steuerzahler umgelegt würden. "Man muss 
auch ganz nüchtern sagen, die Profite der Automobilbranche waren in 
den letzten Jahren so hoch, dass diese Belastung getragen werden 
kann."

Auch die Grünen fordern, die Autofirmen in die Pflicht zu nehmen. 
"Also, ich finde es völlig selbstverständlich, dass die Hersteller 
zahlen, weil sie haben das verursacht", sagt Oliver Krischer, 
stellvertretender Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. 
"Sie haben uns allen, mir persönlich auch, Autos verkauft, die die 
Grenzwerte nicht einhalten. Und wer getrickst hat, wer betrogen hat, 
wer die Verbraucher betrogen hat, der muss auch dafür aufkommen, dass
der Schaden behoben wird."

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wollte sich zur Frage der 
Umrüstungskosten nicht äußern. Linke und AfD haben nicht auf die 
WDR-Anfrage geantwortet.

Mehr dazu in der Story "Das Diesel-Desaster - Umrüsten, verkaufen, 
verschrotten?"

WDR Fernsehen, Mittwoch, 29.11.2017, 22.10 - 22.55 Uhr

Fotos unter ARD-Foto.de

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WDR Presse und Information
0221 220 7100
wdrpressedesk@wdr.de

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