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11.03.2008 – 18:14

WDR Westdeutscher Rundfunk

WDR Fernsehen, 0800Berlin: Farthmann befürchtet Spaltung der SPD
Ausschlussverfahren gegen Clement mit Geist der SPD nicht vereinbar

Düsseldorf (ots)

Der frühere Vorsitzende der SPD-Fraktion im
Landtag von NRW, Friedhelm Farthmann, macht sich Sorgen um die 
Zukunft seiner Partei. Auf die Frage, ob der SPD wegen des Streits um
den Umgang mit der Linken die Spaltung drohe, antwortete Farthmann am
Mittag in der WDR-Fernsehsendung Null800Berlin: "Das könnte so sein 
und ich fürchte das auch fast."
Der 77-jährige frühere NRW-Arbeitsminister kritisierte Parteichef 
Beck. Dieser habe in den letzten Wochen bei der Diskussion über den 
Kurs der Partei keine "besonders überzeugende Vorstellung" 
abgeliefert. Dennoch solle Beck im Amt bleiben: "Alle paar Monate 
einen neuen Vorsitzenden zu wählen, das wird ja allmählich pervers."
Farthmann, der die SPD-Landtagsfraktion von 1985 bis 1995 führte, 
warnte seine Partei vor einer Zusammenarbeit mit der Linken, die eine
"abwegige, unrealistische, das Volk täuschende Politik" betreibe. Das
müsse allerdings nicht für immer so bleiben. "Ich bin dagegen, nur 
weil da ein paar Kommunisten drin sind, eine Partei für alle Zeiten 
ins Abseits zu schieben. Den Standpunkt wird man nicht durchhalten." 
Wenn die Linke eine Politik anbiete, die für die SPD vertretbar sei, 
könne man über eine Zusammenarbeit nachdenken. Momentan sehe er aber 
in der Programmatik der Linken eine "reine Versprechensorgie".
Farthmann kritisierte auch das Diskussionsklima in der SPD. "Wenn 
ich heute sehe, dass Wolfgang Clement aus der Partei gekegelt werden 
soll (...), dann ist das mit dem, was ich mal von der 
Sozialdemokratie gelernt habe und mich mal bewogen hat, in die Partei
einzutreten, unvereinbar." Farthmann: "Ich bin mal in die Partei 
eingetreten, weil es für mich die Partei der Freiheit des Geistes 
war."
Der Sozialdemokrat hofft, dass es auf dem kleinen Parteitag Ende Mai 
in Nürnberg eine offene Diskussion über die Ausrichtung der SPD und 
ihr Verhältnis zur Linken gebe. Er würde sich durchaus in die 
aktuelle Debatte mehr einmischen, wenn er darum gebeten würde. Er 
dränge sich jedoch nicht auf. "So wie ich es bei vielen Alt-Genossen 
heute sehe, die gehen dann noch zu den Parteitagen und freuen sich, 
wenn sie von den Mächtigen dieser Welt die Hand gedrückt kriegen, das
tue ich mir nicht mehr an."

Pressekontakt:

Angela Kappen
WDR-Pressestelle
Funkhaus Düsseldorf
Tel. 02 11/89 00-5 06
presse.duesseldorf@wdr.de

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