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08.04.2020 – 12:07

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Dienstag, 12. Mai 2020

Mainz (ots)

Bitte aktualisierten Programmtext beachten!!

Dienstag, 12. Mai 2020, 22.15 Uhr

37 °
Vermisst
Wenn Menschen spurlos verschwinden

Wenn ein Mensch plötzlich verschwindet, tauchen Fragen auf: Will er 
sich entziehen? Wurde er entführt oder vielleicht sogar getötet? Die 
Ungewissheit hinterlässt gebrochene Familien.

Jedes Jahr werden in Deutschland 100 000 Menschen als vermisst 
gemeldet. Die meisten tauchen nach zwei bis vier Tagen wieder auf, 
doch tausende bleiben verschwunden. Wie gehen Verwandte damit um? 
Welche Möglichkeiten haben sie, nach den Vermissten zu forschen?

Der "37°"-Film widmet sich zwei Vermisstenfällen und geht der Frage 
nach, wie die Familienangehörigen die Ungewissheit verarbeiten. Sie 
müssen nicht nur mit ihrer eigenen Angst, sondern auch mit 
Spekulationen umgehen lernen, die von ihrer Umgebung an sie 
herangetragen werden. Der Film dokumentiert aber auch, was passiert, 
wenn plötzlich Gewissheit da ist und eine Familie mit dem Mord an 
einer Angehörigen konfrontiert wird.

Edith und ihr Mann Dirk sind sich von Anfang an sicher: Anna ist 
nicht einfach abgehauen. Anna muss etwas zugestoßen sein. Von der 
Kinderbetreuerin fehlt seit dem 23. Juni 2019 jede Spur. Am Abend 
haben Edith und ihre Zwillingsschwester noch im Kreis der Familie 
zusammengesessen. Doch zum geplanten Mittagessen am nächsten Tag 
erscheint Anna, die nur 150 Meter entfernt wohnt, nicht. Die Familie 
hat einen Schlüssel zur Wohnung der Vermissten, doch das Schloss 
wurde ausgetauscht. Die beiden Hunde der 35-Jährigen, die sie niemals
alleine gelassen hat, sind in der Wohnung. Für die Familie aus 
Gelsenkirchen ist in diesem Augenblick klar: Anna ist etwas passiert.
Sie informieren die Polizei, die sechs Tage später, in Absprache mit 
der Staatsanwaltschaft Essen, einen Suchaufruf veröffentlicht. 5000 
Euro Belohnung werden für sachdienliche Hinweise ausgeschrieben. Die 
Familie lebt in einem Albtraum. "Die Ungewissheit bringt uns um", 
sagt der Schwager der Vermissten.

Monate vergehen. Die Familie muss sich in dieser Zeit auch mit 
bürokratischen Anforderungen auseinandersetzen: Auflösung von 
laufenden Verträgen, Versicherungen und am Ende auch Annas 
Mietwohnung. Wochenlang war die von der Kriminalpolizei 
beschlagnahmt, weil die Spurensicherung nach Hinweisen suchte. "Wir 
können keine Krimis gucken, wir erleben einen realen Horror", sagt 
Dirk, der wie ein Schutzschild für Edith und ihre Eltern agiert. 
Seelische Unterstützung bekommt die Familie in dieser Zeit kaum. Die 
Kriminalbeamten gewähren keine Einblicke, immer mit der gleichen 
Begründung: " ... dass aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit 
keine weiteren Auskünfte über den Ermittlungsstand erteilt werden." 
Wieder gehen Monate ins Land. Tränen und Trauer begleiten die Familie
täglich. Dann die Wende im Fall Anna: Im November 2019 steht die 
Polizei vor der Tür und bringt der Familie die traurige Nachricht: 
Anna ist tot, sie wurde ermordet. Die Polizei hat einen Mann 
verhaftet, der Videos besitzt, auf denen die tote Anna zu sehen ist. 
Es handelt sich um eine Person, gegen die die Familie bereits einen 
Verdacht hegte. Doch die grausige Gewissheit bringt keine Ruhe. Annas
Leiche wurde bisher nicht gefunden, weil der mutmaßliche Täter 
schweigt. Der katholischen Familie bleibt bislang der letzte Trost 
verwehrt. Sie können sich nicht würdevoll bei einem Begräbnis von 
Anna verabschieden.

Liegt ein Tötungsdelikt vor, geht die Kriminalpolizei in den meisten 
Fällen von einer Beziehungstat aus. Auch Petra und Stephanie, die 
ältere und die jüngere Schwester von Heidi D. glauben nicht, dass 
Heidi Opfer eines zufälligen Verbrechens ist. Im November 2013 wurde 
die 49-jährige Postbotin zuletzt in der Nähe ihres Zuhauses in 
Nürnberg gesehen. Seither fehlt jede Spur. Fünf Tage nach ihrem 
Verschwinden leitet das Bundeskriminalamt eine öffentliche Fahndung 
ein. Ohne Ergebnis, doch da man Heidis Portemonnaie, ihren 
Personalausweis und ihr Handy in ihrem Haus findet, gehen die Fahnder
von einem Gewaltverbrechen aus. Über sechs Jahre sind seither 
vergangen, in denen die Schwestern eine Achterbahn der Gefühle 
durchleben mussten. Wer innerhalb eines Jahres nicht zurückkehrt, 
bleibt laut Statistik des Bundeskriminalamtes meist für immer 
verschollen und wird spätestens nach zehn Jahren für tot erklärt.

Petra ist als Abwesenheitspflegerin für die Vermisste eingesetzt, 
seit Jahren kümmert sie sich um die Vermögensverhältnisse von Heidi, 
hütet das Ersparte. Auch die Lieblingskleidung von Heidi haben sie 
und Stephanie behalten, für den Tag, an dem ihre Schwester 
hoffentlich wieder auftaucht. "Wir haben uns ein Versprechen 
gegeben", sagen Petra und Stephanie, "wir kämpfen für die Wahrheit 
bis zum Schluss".

Doch immer wieder geraten beide in emotionale Grenzsituationen: Mal 
glaubt jemand, Heidi erkannt zu haben, mal meldet die Presse einen 
Leichenfund. Auch die Suche bei "Aktenzeichen XY ungelöst" im 
Dezember 2017 schürt neue Hoffnung, doch auch sie bleibt ergebnislos.
Im Mai 2018 ein weiterer Höhepunkt des Unerträglichen. Das Haus, in 
dem Heidi und ihr Lebensgefährte gewohnt haben, wird nach 
richterlichem Beschluss auf den Kopf gestellt. Die Kriminalpolizei 
hat Anlass zur Vermutung, dass Heidis Leiche dort versteckt sein 
könnte. Aber wieder nichts. Petra und Stephanie machen dennoch 
weiter. Jetzt haben sie die Ermittlungsakten angefordert, die ihnen 
Einblicke in die Vernehmungsprotokolle der Polizei geben. Vielleicht 
wurde etwas übersehen, vielleicht finden sie einen Hinweis. Es ist 
eine kräftezehrende Recherche. "Vieles, was wir über unsere Schwester
durch Zeugenaussagen erfahren, hätten wir gar nicht wissen wollen." 
Seit ein paar Monaten haben sie in Nürnberg-Fischbach wieder Plakate 
mit der Verschwundenen aufgehängt. Heidi soll nicht in Vergessenheit 
geraten. Die Suche geht weiter.

Die Sendung "37°" steht am Sendetag ab 8.00 Uhr in der ZDFmediathek 
zur Verfügung.
 

Pressekontakt:

ZDF Presse und Information
Telefon: +49-6131-70-12121

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