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ZDF-Magazin "Frontal 21"
IKEA: Niedrigsteuern auf Milliardengewinne - ver.di: "Das ist asozial"

Mainz (ots) - "Organisierte Steuerflucht" wirft der Wirtschaftsexperte der Gewerkschaft ver.di., Dierk Hirschel, IKEA vor. Nach Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" (Sendung am 10. August, 21.00 Uhr) machte die in den Niederlanden ansässige IKEA-Muttergesellschaft, die Ingka Holding, allein im Jahr 2008 einen Gewinn von 2,28 Milliarden Euro. Der von Firmengründer Ingvar Kamprad kontrollierte Möbelkonzern hat auf diesen Milliarden-Gewinn in den Niederlanden lediglich 19,3 Prozent Steuern auf Einkommen und Ertrag bezahlt. Hier würden massiv Steuerschlupflöcher genutzt, so der ver.di-Experte: "Wenn ordnungsgemäß versteuert würde, müssten zwischen 30 und 35 Prozent gezahlt werden."

Zudem hat die IKEA-Gruppe nach Recherchen von "Frontal 21" ein undurchsichtiges Stiftungssystem zur Steuerung der Finanzströme aufgebaut. Allein in den Niederlanden betreibt die Gruppe insgesamt fünf Stiftungen - bislang waren nur zwei bekannt. Darüber hinaus existiert auch im Steuerparadies Curacao auf den Niederländischen Antillen eine Inter IKEA Holding NV. Das Firmengeflecht von IKEA sei so komplex, so Hirschel, damit die "nationalen Finanzbehörden letzten Endes nicht mehr durchschauen, wohin das Geld fließt". Der ver.di-Experte erhebt schwere Vorwürfe: "Volkswirtschaftlich ist es schädlich, und moralisch-ethisch ist es asozial, anders kann man das nicht bezeichnen", so Hirschel gegenüber "Frontal 21". IKEA teilt gegenüber "Frontal 21" mit: "Die IKEA-Gruppe bezahlt Steuern nach den Gesetzen und Vorschriften in jedem Land, in dem sie rund um die Welt tätig ist. Folglich werden in Deutschland Steuern in bedeutender Höhe bezahlt."

Der ehemalige IKEA-Manager Johan Stenebo, bestätigt gegenüber "Frontal 21": "Steuer-Vermeidung - das ist die Philosophie. Innerhalb von IKEA wird es als etwas sehr Negatives bis hin als kriminell angesehen, mehr Steuern zu zahlen als man muss." Stenebo war einer der engsten Mitarbeiter von Firmengründer Ingvar Kamprad und spricht zum ersten Mal im deutschen Fernsehen über seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Während der Konzern viele Steuerschlupflöcher nutzt, versucht IKEA Deutschland die Personalkosten zu senken. So werden in den deutschen Filialen Leiharbeiter eingesetzt. Im Stammsitz in Wallau sollen nach Recherchen des ZDF-Magazins insgesamt 10 Prozent aller Arbeitsstunden von Leiharbeitern geleistet werden. "Manche von ihnen verdienen so wenig, dass sie über Hartz IV aufstocken müssen", sagt Professor Rudolf Hickel von der Universität Bremen. "Man kann also zusammengefasst sagen, die Kostensenkungsstrategie durch Einstellung von Leiharbeitern wird am Ende vom Staat, sprich von den Steuerzahlern noch finanziert. Und das ist ein wirklich miserabler Beitrag für das Image von IKEA", so Hickel weiter.

Die deutschen Leiharbeiter würden nur vorübergehend zu "frequenzstarken Zeiten" eingesetzt, so IKEA in einer Stellungnahme gegenüber "Frontal 21", außerdem habe man mit der Gewerkschaft eine Betriebsvereinbarung "Leiharbeit" geschlossen.

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