OVID, Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V.

Wer hat Angst vor den bösen Spekulanten?
Einschränkungen im Agrarhandel führen nicht zu Preisstabilität und Versorgungssicherheit

Berlin (ots) - "Die Rohstoffpreise steigen, die Suche nach den Schuldigen beginnt. Zunächst wurden Biokraftstoffe als vermeidliche Preistreiber identifiziert, nun sollen Spekulationen an den Agrarmärkten die Ursache für hohe Preise und in Folge für Hunger in Entwicklungs- und Schwellenländern sein", so Wilhelm F. Thywissen, Vorsitzender von OVID, dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland, zu der politischen Diskussion um eine Beschränkung der Agrarmärkte. Bundesministerin Ilse Aigner hat das Thema Spekulationen mit landwirtschaftlichen Rohstoffen auf die Tagesordnung der Agrarministerkonferenz gesetzt, die während der Internationalen Grünen Woche an diesem Wochenende stattfindet. Hintergrund sind die steigenden Lebensmittelpreise, besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern.

"Die Sündenbock-Rhetorik, die in regelmäßigen Abständen bemüht wird, ist kurzsichtig. Die Teller-Tank Argumentation, der Einsatz von Biomasse jenseits der Lebensmittelproduktion, beispielsweise als Bioenergie, gehe auf Kosten der Entwicklungsländer, treibe die Preise nach oben und sei damit verantwortlich für den Hunger in der Welt, verzerrt die Realitäten ebenso wie der Ruf nach Einschränkungen der Börsengeschäfte beim Handel mit agrarischen Rohstoffen, um so für mehr Preisstabilität zu sorgen", erklärt der Vorsitzende von OVID. Vielmehr nutzten die meisten Marktteilnehmer die Börse, um durch Preisabsicherung ihr Risiko zu minimieren - beispielsweise wetterbedingte Ernteausfälle - und nicht, um die Preise nach oben zu treiben. Besonders das Einführen von Limits und das Begrenzen des Handelsvolumens, wie sie derzeit diskutiert werden, hätten schwerwiegende negative Konsequenzen für den Agrarhandel. Börsen funktionieren nur dann zur Absicherung der Rohstoffgeschäfte, wenn genügend Handelsvolumen vorhanden ist. Nur so ergeben sich ausreichend Verkaufs- und Kaufmöglichkeiten. Dafür braucht es neben den regelmäßigen Händlern aus dem Agrarbereich auch Finanzinvestoren, die gerade durch ihre großen Handelsvolumina die dringend benötigte Liquidität in den Markt bringen.

Schlüssel für die Bekämpfung des Hungers ist hingegen die Entwicklung der ländlichen Räume. Laut Experten gibt es jetzt und für die absehbare Zukunft ausreichend Nahrungsmittel. Hunger sei demnach nicht die Folge von zu wenig Nahrungsmitteln, sondern eine Folge von Armut, verursacht durch fehlende Beschäftigung und durch fehlende Demokratie, Sozial- und Rechtsstaatlichkeit. Arbeit und Einkommen von Kleinbauern sorgten dafür, dass Eltern ihre Familie ernähren und Kinder zur Schule gehen können. Der Anbau von Biomasse über die Lebensmittelproduktion hinaus kann das Einkommen sowie eine gewisse Energieautarkie von Kleinbauern sichern und in Phasen überschüssiger Agrarproduktion eine zusätzliche Einkommensquelle bilden. Gleichzeitig profitieren Kleinbauern von höheren Preisen, die einen Anreiz für die Steigerung der Produktion über die Subsistenzwirtschaft hinaus bilden. Voraussetzung muss jedoch eine nachhaltige Produktion der Biomasse sein.

Sie finden OVID im Rahmen der Internationalen Grünen Woche auf der nature.tec - Fachschau Nachwachsende Rohstoffe in Halle 4.2 am Stand "Biokraftstoffe" (125).

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