BR-Recherche deckt Sicherheitslücke in Mobilfunknetzen auf
Auch CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter betroffen
Bei Telefonanrufen wurden sensible Smartphone-Daten offengelegt
München (ots)
Eine exklusive Recherche des Bayerischen Rundfunks hat eine bislang unbekannte Sicherheitslücke in Mobilfunknetzen aufgedeckt. Bei Telefonanrufen konnten im Hintergrund sensible Informationen über Smartphones an die Anruferseite übermittelt werden, die potenzielle Cyberangriffe erleichtern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bewertet die Schwachstelle als sicherheitsrelevant. BR24 berichtet über das Thema am Donnerstag, 27. August 2026, im Radio, Online und im Fernsehen sowie bei Tagesschau.de.
Informationen über Gerätekennung, Smartphone-Modell und Betriebssystem offengelegt
Insgesamt führte der BR mehr als 70 Testanrufe durch. In den Netzen von Telekom und Telefónica (O2) gelangten in mehreren Fällen eindeutige Gerätekennungen (IMEI-Nummern) zum Anrufer. Bei Telekom und Vodafone wurden fallweise Smartphone-Modelle und Betriebssystemversionen offengelegt. So ließ sich erkennen, ob wichtige Sicherheitsupdates installiert waren. Übertragen wurden die sensiblen Daten noch vor Annahme eines Gesprächs während des Rufaufbaus.
Kiesewetter: "Einfallstor für ausländische Nachrichtendienste"
Auch den CDU-Bundestagsabgeordneten und Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter riefen die BR-Reporter für die Recherche an. Dabei ließ sich die Kennung seines Smartphones auslesen. Kiesewetter sprach gegenüber dem BR von einem möglichen "Einfallstor für ausländische Nachrichtendienste" und forderte Aufklärung darüber, warum die Sicherheitslücke nicht früher erkannt und geschlossen wurde.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bewertet die vom BR entdeckte Sicherheitslücke auf Anfrage als "sicherheitsrelevant". Die Daten könnten kriminellen oder staatlichen Akteuren gezielte Angriffe erleichtern, etwa mit Spionagesoftware. "Aufgrund bereits erfolgter Cyberangriffe auf Mobilfunkgeräte durch staatliche Angreifer" gehe das BfV "nahezu sicher davon aus, dass fremde Nachrichtendienste entsprechende Informationen für ihre Zwecke nutzen".
Netzbetreiber reagieren auf BR-Hinweise
Seit wann die Sicherheitslücke bestand, ist unklar. Nach Hinweisen des BR haben Telekom, Vodafone und Telefónica technische Änderungen angekündigt oder bereits umgesetzt. Auch der internationale Mobilfunkverband GSMA reagierte und informierte seine mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen weltweit über die Problematik. Netzbetreiber sollen ihre Systeme überprüfen und unnötige Datenübertragungen unterbinden, heißt es. Das Telekommunikationsgesetz verpflichtet die Netzbetreiber, Kommunikations- und Metadaten zu schützen. In einem gesetzlich verankerten Sicherheitskatalog zählt die Bundesnetzagentur die IMEI-Nummer ausdrücklich zu den als besonders schützenswerten Kundendaten.
Wie Nachrichtendienste eine IMEI nutzen können, zeigt ein Szenario aus dem Bundeswehr-Magazin "Y": Werde die Handy-Kennung eines Soldaten beispielsweise zunächst in Deutschland und später auf einem Truppenübungsplatz in Litauen erfasst, könne er "in den Fokus eines Spions rücken". Das Bundesverteidigungsministerium erklärte dem BR, Nachrichtendienste könnten mithilfe solcher Gerätekennungen Bewegungsprofile erstellen und Personen identifizieren.
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