Westfalen-CEO Thomas Perkmann beim SZ-Nachhaltigkeitsgipfel: ,Wer Klimaneutralität will, muss vor allem den Strom günstiger machen.'
Münster/München (ots)
Wie kann die Energiewende gelingen, ohne Verbraucher und Unternehmen finanziell zu überfordern? Auf dem SZ-Nachhaltigkeitsgipfel in München diskutierte Thomas Perkmann, Vorstandsvorsitzender der Westfalen-Gruppe, im Panel "Energiepreise - wer soll das bezahlen?" gemeinsam mit Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, über die Herausforderungen der Energiewende.
Konsens herrschte in der Diskussion darüber, dass die Energiewende nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie klimafreundlich, wirtschaftlich tragfähig und sowohl für die Industrie als auch für die Verbraucher dauerhaft bezahlbar bleibt. Perkmann betonte: "Bezahlbare Energie ist entscheidend für die Marktdurchdringung neuer Technologien - und damit auch für die erfolgreiche Transformation von Unternehmen."
Fossiler Ursprung, strombasierte Zukunft
Westfalen ist in Europa in sechs Ländern aktiv und beliefert deutschlandweit über 60 000 Gewerbekunden mit Industriegasen, Kraftstoffen und Wärmelösungen. Seit einigen Jahren investiert das Unternehmen mit Hauptsitz in Münster intensiv in zukunftsfähige Geschäftsfelder.
Dazu gehören vor allem E-Mobilität und strombasierte Wärme: "Mit unseren fossilen Wurzeln spüren wir die Verantwortung, ein künftiger Teil der Lösung sein. Wir investieren nicht mehr in fossile Energien, sondern nur noch in Geschäftsfelder, die auch in 10 und 20 Jahren noch funktionieren."
Planungssicherheit als Erfolgsfaktoren
Für umfangreiche Investitionen in klimafreundliche Technologien und entsprechende Geschäftsmodelle ist aus Sicht von Perkmann Planungssicherheit unerlässlich: "Wir können uns als Unternehmen auf nahezu jede Rahmenbedingung einstellen - solange sie verlässlich und klar ist."
Investitionen scheitern laut Perkmann nicht an ambitionierten Zielen, sondern an Regeln, die sich ständig verändern. "Das löst bei Unternehmen wie auch bei Verbrauchern massive Unsicherheiten aus. Was wir beim Gebäudemodernisierungsgesetz erlebt haben, war kein politischer Streit über Ziele, sondern ein Hin und Her, das den Markt für Monate eingefroren hat. Politik kann eine Technologie kaputt reden - gemeint sind alle Couleur, auch die Medien."
Bestehende Technologien stärken
Mit Blick auf die Wärmewende hob der Westfalen-CEO hervor, dass sich die Wärmepumpe als effizienteste Technologie etabliert hat: "Die Wärmepumpe ist eine starke Technologie. Sie macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Heute schon rechnet sie sich für viele Anwendungsfälle, wenn man sich den Gesamtlebenszyklus anschaut. Wenn wir den Mittelstand klimaneutral machen wollen, sollten wir alles tun, um Strom günstig zu machen - statt mit Ordnungspolitik und Förderungen nachzusteuern", unterstrich Perkmann.
Weitere Hindernisse lägen vor allem in langwierigen Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren - was im Übrigen auch für die Schnellladeinfrastruktur im Mobilitätsbereich gelte. Perkmanns Fazit zum Thema: "Westfalen ist auf dem Weg. Was wir von der Politik brauchen, sind verlässliche Grundlagen statt immer neuer Regeln, sowie günstigeren Strom, schnelle Genehmigungen und einfachere Netzanschlüsse."
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