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16.01.2020 – 18:27

Kölnische Rundschau

zu Kohleaustieg/Tagebaue

Köln (ots)

Nicht einfach nur abwickeln

Raimund Neuß zum Fahrplan für den Kohleausstieg Alle Achtung: Die Energiekonzerne, unterstützt von Ministerpräsidenten und Gewerkschaften, haben ihre Haut teuer verkauft. Deutlich über vier Milliarden Euro zahlt der Bund für die Stilllegung der deutschen Kohlekraftwerke, 700 Millionen gibt es allein für Arbeitnehmer im Westen als "Anpassungsgeld". Dabei wäre jedenfalls im Rheinischen Braunkohlerevier spätestens 2045 ohnehin Schluss gewesen: Auch ohne Klimaschutzdiskussion wären die bestehenden Tagebaue dann ausgekohlt. Das Abbauende wird um sieben bis zehn zehn, in Hambach um maximal 16 Jahre vorgezogen. Für das Rheinland ist das trotzdem eine historische Weichenstellung. Einfach, weil Kommunen und Konzerne jetzt endlich gezwungen sind, sich dem Unvermeidbaren zu stellen: Aufschieben gilt nicht mehr. Anderthalb Jahrhunderte lang hat die Braunkohlewirtschaft die Region wesentlich geprägt, sie wird es nicht mehr tun. Also müssen neue Wege der Energieversorgung, neue Unternehmenskonzepte, neue Arbeitsplätze her. Die Entscheidung des Bundes, ein Kompetenzzentrum zur Wasserstofftechnik in Jülich anzusiedeln, gibt hier einen wichtigen Anstoß. Mehr solche Initiativen wären nötig, und neben Spitzenforschung geht es auch um Raumplanung und Infrastruktur. RWE betreibt für seine Tagebaue und Kraftwerke zum Beispiel ein leistungsfähiges Güterbahnnetz, das den Knoten Köln und seine Zulaufstrecken entlasten könnte - man müsste aber in die Anbindung nvestieren. Von Jülich abgesehen gibt es leider bisher wenig konkrete Zusagen für solche zukunftsweisenden Aufwendungen. Wichtiger scheinen das Symbolthema Hambacher Forst und die Entschädigungszahlungen. Da muss man schon fragen, ob Konzerne, Gewerkschaften und Landesregierungen nicht im Begriff sind, die historische Chance zu verspielen, die vor ihnen liegt. Jedem betroffenen Arbeitnehmer sein Geld gegönnt, aber wir sprechen im Rheinischen Revier doch von Spezialisten, deren Fähigkeiten auch andernorts gebraucht würden: Elektroniker, Verfahrenstechniker, Anlagenführer, Eisenbahner. Da sollte doch nicht - wie weiland im Ruhrbergbau - die sozialverträgliche Abwicklung von Jobs im Vordergrund stehen, sondern die Nutzung des intellektuellen, wirtschaftlichen und technischen Potenzials, das im Revier aufgebaut worden ist. Unserer Region wäre besser gedient, wenn der Bund die eine oder andere seiner Milliarden hierfür ausgeben würde.

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