PRESSEPORTAL Presseportal Logo
Alle Storys
Folgen
Keine Story von Kölnische Rundschau mehr verpassen.

21.03.2008 – 15:55

Kölnische Rundschau

Kölnische Rundschau: Kommentar zur Karfreitagsfürbitte für die Juden

Köln (ots)

Grob missverständlich
RAIMUND NEUSSzur Karfreitagsbitte für die Juden
Die Osterzeit wird durch eine
Panne im Vatikan über
schattet. Papst Benedikt XVI.,
der mehr als jeder andere le
bende christliche Theologe für
den christlich-jüdischen Dialog
getan hat, verletzt die Gefühle
von Juden ohne Not.
Worum geht es? Früher beteten
Katholiken am Karfreitag "für
die Bekehrung" der "treulosen
Juden". Heute beten sie aus gu
tem Grund nur noch "für die Ju
den": "Er bewahre sie in der
Treue zu seinem Bund und in
der Liebe zu seinem Namen,
damit sie das Ziel erreichen, zu
dem sein Ratschluss sie führen
will." Diese unproblematische
Formulierung wählten gestern
der Papst selbst und hundert
tausende Priester. Wäre es nur
dabei geblieben!
Es gibt nämlich eine Ausnah
me. Eine Minderheit zelebriert
die Karfreitagsliturgie nach der
vorkonziliaren Fassung. Für die
se Fälle und nur für sie hat der
Papst dieses Jahr einen ande
ren Wortlaut angeordnet: Gott
möge die Herzen der Juden er
leuchten, "damit sie Jesus
Christus erkennen, den Heiland
aller Menschen".
<$30> Initial über 2 Zeilen
<$19>W<$0>arum nur diese Formulie
rung? Sie ist missver^
ständ^lich. Sie könnte im Sinne
einer Judenmission gedeutet
werden, die die katholische Kir
che aber nicht betreibt. Die Bit
te um "Bekehrung" war ja ge
strichen worden und bleibt ge
strichen. Aber man muss den
neuen Text genau lesen, um zu
verstehen, dass er kein Missi
onsaufruf ist. Dass die Juden
"Christus erkennen", ist ledig
lich das Ziel, zu dem Gottes
"Ratschluss sie führen will" -
spätestens am Ende aller Tage.
Das ergibt sich aus dem 11.
Kapitel des Römerbriefes.
<$30> Initial über 2 Zeilen
<$19>A<$0>ber um Himmels willen:
Solche Exegese mag in ei
ner Predigt gelingen, jedoch
nicht zugespitzt an jener Stelle
der Liturgie, die mehr als alle
anderen die Wunden berührt,
die Christen dem jüdischen
Volk zugefügt haben. Haben
beim Papst theologische Fines
sen über historische Erfahrung
gesiegt? Oder kam er einer ver
biesterten Minderheit entge
gen, die der Bitte für die "treu
losen" Juden nachtrauert und
deshalb Traditionalisten auf
den Leim geht? So oder so: Der
Papst sollte die Größe zeigen,
seinen Fehler zu korrigieren

Pressekontakt:

Kölnische Rundschau
Jost Springensguth
print@kr-redaktion.de

Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Kölnische Rundschau
Weitere Storys: Kölnische Rundschau