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BDZV - Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V.

Strukturwandel in den Zeitungsunternehmen kostet viel Geld und Kraft

Berlin (ots)

Branche leidet weiterhin unter schwacher Konjunktur / BDZV: Keine
staatlichen Subventionen - aber faire Rahmenbedingungen! / Verleger
blicken optimistisch nach vorn
Die Zeitungsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden
Strukturwandel; jedes der rund 350 Zeitungshäuser in Deutschland sei
dabei, sich zu einem komplexen Medienunternehmen mit
unterschiedlichen Informations- und Kommunikationskanälen zu
entwickeln, erklärte der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger
(BDZV) heute bei der Jahrespressekonferenz in Berlin. Der aufgrund
der schlechten Konjunkturlage anhaltend schwache Werbemarkt und die
Entwicklung des Internets hätten diesen Erneuerungs- und
Anpassungsprozess enorm beschleunigt, sagte BDZV-
Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schulze. Vor allem kleinere Verlage
stießen dabei an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und Möglichkeiten.
Doch gebe es keine Krisenstimmung; mit nüchternem und pragmatischem
Optimismus blickten die Verlage nach vorn.
Ebenso wie das Fernsehen und andere Mediengattungen litten die
Zeitungen unter zweistelligen Umsatzrückgängen beim Werbegeschäft.
Auch die Auflagenentwicklung sei bei den meisten Zeitungsverlagen
noch negativ, doch habe sich dieser Prozess verlangsamt. Im ersten
Quartal verzeichnete die Branche einen Rückgang der verkauften
Auflage von 1,7 Prozent; im vergangenen Jahr wurden noch Ausfälle in
Höhe von 2,6 Prozent konstatiert (1. Quartal 2002 zu 2001). Auf hohem
Niveau stabil sind die Reichweiten der Zeitungen: Nahezu vier von
fünf Bundesbürgern (77,3 Prozent der über 14-Jährigen) lesen täglich
Zeitung.
Eine klare Botschaft richtete der BDZV an die Politik: "Die
Zeitungen benötigen keine staatlichen Subventionen, aber sie brauchen
dringend vernünftige und faire Rahmenbedingungen", sagte
Hauptgeschäftsführer Schulze. In diesem Zusammenhang kritisierte er
die werbe- und teilweise auch pressefeindliche Politik der EU sowie
die wettbewerbsverzerrende Expansion des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks in Deutschland.
Mit Zeitungen, die noch näher am Leser seien sowie mit ganz neuen
Informations- und Servicemöglichkeiten entwickelten sich die
Zeitungsverlage im Bereich der Kommunikation zum
"Rundum-Dienstleister in der Region. Die Zeitung sei eine der
wichtigsten Faktoren zur Mitgestaltung des lokalen Lebensraumes;
diese Position müsse ausgebaut werden. Dies gelte insbesondere für
die Eroberung der jungen Zielgruppen, so Schulze. Zeitungen müssten
noch mehr Bestandteil des Alltags der Jugendlichen werden. Dabei
seien Projekte wie "Zeitung in der Schule" zwar wichtige Elemente,
reichten allerdings nicht aus. Immer mehr Verlage berichteten von
Erfolgen, die jungen Leute via PC oder Handy im Internet
beziehungsweise per SMS zu erreichen. Auch auf diesen Kanälen könnten
die Zeitungen Information, Kommunikation und Orientierung bieten, wie
jüngste Erkenntnisse der Medienforschung bestätigten.
Schulze wies darauf hin, dass immer mehr Verlage Zeitung und
Internet miteinander verknüpften. "Crossmedia - das ist die
intelligente Vernetzung von Print und Online in allen Bereichen - in
der Redaktion, beim Vertrieb, im Anzeigengeschäft und beim
Marketing." Hinzu kämen die Möglichkeiten des Internets bei der
Optimierung von Betriebsabläufen. So seien bereits die ersten
Zeitungsunternehmen in der Lage, weite Teile ihres Vertriebs- und
Anzeigenservice im direkten Kontakt mit den Kunden schneller und
zuverlässiger als bisher online zu erledigen.
Vielfalt durch Kooperationen sichern
Der BDZV-Hauptgeschäftsführer hob auch hervor, dass die Verlage
angesichts der enger werdenden Märkte gezwungen seien, noch stärker
zu kooperieren. Vor allem beim Druck, im Vertrieb und im
Anzeigengeschäft sei noch viel Potenzial vorhanden, um die Leistung
der Unternehmen zu steigern und zugleich preiswerter zu produzieren.
In diesem Zusammenhang wies er auch auf die Diskussion um die
Pressefusionskontrolle und eine eventuelle Novellierung des
Kartellrechts hin: Ziel müsse es sein, die Vielfalt der deutschen
Zeitungslandschaft zu sichern und zugleich erweiterte
Kooperationsmöglichkeiten zu schaffen. Eine klare Absage erteilte er
allen Überlegungen, die Presse staatlich zu subventionieren. Die
Verlage könnten ihre multimediale Zukunft aus eigener Kraft
gestalten, sofern die Rahmenbedingungen stimmten. Diese seien leider
zu oft in jüngerer Zeit zu Lasten der Presse verändert worden.
Kritik an öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern
Zu fairen Rahmenbedingungen gehörten auch öffentlich-rechtliche
Rundfunksender, die sich auf ihre originären Aufgaben beschränkten,
so Schulze. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Intendanten von
ARD und ZDF glaubten, ohne jede Rücksicht auf das Medienbudget des
Bürgers die nächste Gebührenerhöhung zu fordern.
Der BDZV begrüßte die jüngst von der Ministerpräsidentenkonferenz
verabschiedeten Einschränkungen für die Internet-Auftritte der
öffentlich-rechtlichen Sender als "wichtigen Schritt", die
bestehenden Wettbewerbsverzerrungen abzubauen. Schon zu lange
betrieben ARD-Anstalten und ZDF im Netz Aktivitäten, die nichts mit
dem TV-Programm zu tun hätten, so Schulze. Mit Spannung und Ungeduld
warteten die Zeitungsverleger jetzt auf die von den
Ministerpräsidenten geforderten Selbstverpflichtungen von ARD und
ZDF, die klare Grenzen für die Internetaktivitäten enthalten sollen.
Pressefeindliche Politik der EU
Hart ins Gericht ging der BDZV mit der EU-Politik. Es sei
"unerträglich" wie vor allem die EU-Kommission mit immer neuen
Attacken auf die Kommunikationswirtschaft aufwarte. Nach dem
Tabakwerbeverbot plane Verbraucherkommissar David Byrne eine so
genannte "Verbraucherschutzrichtlinie" mit schweren Eingriffen in die
Gestaltung von Werbung für Lebensmittel sowie der Werbung, die sich
auch an Kinder richtet. "Unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes
wird die Kommunikationsfreiheit eingeengt", sagte der
BDZV-Hauptgeschäftsführer und warf der Kommission vor, das
wirtschaftliche Fundament der Werbewirtschaft und damit auch der
Medien aufs Spiel zu setzen. Zugleich begrüßte der BDZV, dass die
Bundesregierung gegen das von Brüssel und Straßburg verabschiedete
Tabakwerbeverbot Klage beim Europäischen Gerichtshof erhoben hat.
Amtsblätter verzerren Wettbewerb
Klare Rahmenbedingungen vermissen die Zeitungsverleger auch auf
kommunaler Ebene: Deutlich mehr Zurückhaltung erwartet der BDZV
künftig von den Städten und Gemeinden bei der Herausgabe von
Amtsblättern und deren Ablegern im Internet. An vielen Orten
versuchten sich die größtenteils aus den Gemeindehaushalten
finanzierten Blätter im Wettbewerb neben lokalen Zeitungen und
Anzeigenblättern zu positionieren. Dies sei eine
Wettbewerbsverzerrung im Leser- und Anzeigenmarkt. "Es ist nicht
Aufgabe von Bürgermeistern und Stadtdirektoren, den Chefredakteur
oder Verleger zu spielen."
Klare Absage an die Deutsche Post AG
Die Zeitungsverleger kritisierten auch die Deutsche Post AG, die
derzeit versucht, sich im Markt der Verteilung von
Beilagen/Prospekten aufzustellen. Die Verlage würden es nicht
hinnehmen, dass ein Monopolist wie die Deutsche Post mit
Dumpingpreisen in lokale Märkte dränge. Hier sei dringend die
Regulierungsbehörde gefordert. Angesichts der Preisstruktur der Post
dränge sich der Verdacht auf, dass bei dem Unternehmen eine
Quersubventionierung stattfinde, was ausdrücklich verboten sei.
Außerdem verzerre die Post mit ihrem Engagement den Wettbewerb, da
sie vor allem in städtischen Ballungsgebieten als einzige den
direkten Zugang zu den Briefkästen der Hausbewohner habe. Für die
übrigen Marktteilnehmer sei dies eine Benachteiligung, die nicht
hinnehmbar sei.
Zur wirtschaftlichen Lage
Zur wirtschaftlichen Lage der Zeitungen führte
BDZV-Geschäftsführer Jörg Laskowski aus, dass die negative
Entwicklung im Anzeigengeschäft weiter anhalte. Eine Prognose, wann
es wieder aufwärts gehe, könne wegen der allgemeinen konjunkturellen
Unwägbarkeiten nicht abgegeben werden. In den ersten fünf Monaten des
laufenden Jahres seien die Anzeigenumfänge (nicht Umsätze) im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp sieben Prozent
(Ostdeutschland -6,6 Prozent / West: -6,8 Prozent) zurückgegangen.
Die schwersten Einbrüche gab es erneut im Bereich der Stellenanzeigen
(-37,6 Prozent). Rückläufig waren auch Immobilienanzeigen (-8,7
Prozent), Kfz-Anzeigen (-5,9 Prozent), Veranstaltungsanzeigen (-10,2
Prozent). Positiv entwickelten sich die Bereiche Familienanzeigen
(+1,8 Prozent) sowie das überregionale Anzeigengeschäft mit einem
Plus von 6,2 Prozent.
Beim Zeitungsverkauf verlangsamte sich der Rückgang: Im ersten
Quartal verzeichneten die Verlage gegenüber dem Vorjahreszeitraum
einen Rückgang von 1,7 Prozent (Ostdeutschland -3,4 Prozent / 123.000
Zeitungsexemplare; Westdeutschland -1,4 Prozent / 360.000 Exemplare).
Stärkere Verluste in Höhe 3,4 Prozent hatten die Kaufzeitungen.
Die Gesamtauflage der Zeitungen in Deutschland lag im ersten
Quartal bei 28,9 Millionen Exemplaren (Vorjahr 29,3 Millionen), die
sich wie folgt gliedert: 16 Millionen (Vorjahr 16,3 Millionen) lokale
und regionale Zeitungen; 1,6 Millionen überregionale Zeitungen
(Vorjahr 1,7 Millionen); 5,1 Millionen Kaufzeitungen (Vorjahr 5,3
Millionen); 4,3 Millionen Sonntagszeitungen (Vorjahr 4,3 Millionen)
und 1,9 Millionen Wochenzeitungen (Vorjahr 1,8 Millionen).
Aufgrund der rückläufigen Anzeigenumfänge sowie der
Auflagenverluste sei auch für das laufende Jahr mit erheblichen
Umsatzverlusten zu rechnen, so Laskowski. Im vergangenen Jahr musste
die Zeitungsbranche ein Umsatzminus (Anzeigen / Beilagen plus
Vertrieb) in Höhe von 5,8 Prozent (2001: 8,2 Prozent) hinnehmen. Die
Erlöse gingen von zehn Milliarden Euro (2001) auf 9,4 Milliarden Euro
zurück. Die Vertriebsumsätze stiegen um 3,6 Prozent auf 4,1
Milliarden Euro. Das Anzeigen- und Beilagengeschäft brach um 12,1
Prozent ein (2001: 14 Prozent). Der Gesamtwerbeumsatz der Zeitungen
lag bei 5,3 Milliarden Euro (2001: sechs Milliarden Euro).

Pressekontakt:

Hans-Joachim Fuhrmann,
Telefon 030/726298-210,
e-mail fuhrmann@bdzv.de

Anja Pasquay,
Telefon 030/726298-214,
e-mail pasquay@bdzv.de

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