BDZV - Bundesverb. Dt. Zeitungsverleger

Schlechte Konjunktur trifft Zeitungsbranche besonders hart / Einbrüche im Werbemarkt halten an
Strukturwandel der Verlage erfordert konsequentes Organisations- und Kostenmanagement

    Berlin (ots) - Die Einbrüche im Werbemarkt halten an, und die Zeitungen sind davon besonders hart betroffen, wie der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) heute bei seiner Jahrespressekonferenz in Berlin darstellte. "Die anhaltend schlechte Konjunktur trifft uns mit voller Härte", sagte der Hauptgeschäftsführer des BDZV, Volker Schulze. Mit spürbaren Besserungen sei frühestens im kommenden Jahr zu rechnen. Im Monat Mai sei die Menge der Anzeigen (nicht Umsätze) im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent zurückgegangen - in Ostdeutschland um 21 Prozent. Der Stellenmarkt - seit jeher ein Indikator für die Konjunkturlage - sei um 48 Prozent eingebrochen. Dies dokumentiere, wie schlecht es tatsächlich um die wirtschaftliche Lage in Deutschland bestellt sei. Schulze machte deutlich, dass es sich in der Zeitungsbranche keineswegs um eine Strukturkrise handele. Mit mehr als 350 Zeitungstiteln sei Deutschland weltweit eines der Länder mit der größten Pressevielfalt. Die Zeitung sei mit weitem Abstand - vor TV und Zeitschriften - der größte Werbeträger. Sie erreiche vier von fünf Bürgern. Und jeder zweite Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren lese regelmäßig Zeitung.          In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres (Januar bis Mai) sind die Anzeigenumfänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent (Ostdeutschland -17 Prozent) zurückgegangen, wie BDZV-Geschäftsführer Jörg Laskowski ausführte. Neben den Stellenanzeigen (-43 Prozent) waren besonders betroffen: Immobilien (-15 Prozent, überregionale Anzeigen (-11 Prozent), Kfz-Anzeigen (-9 Prozent). Die einzige Sparte, in der es eine positive Entwicklung gab, waren Reiseanzeigen mit einem Plus von fünf Prozent.          Die schlechte Konjunkturlage spiegelt sich auch im Zeitungsverkauf wider: Im ersten Quartal musste die Branche gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang von 2,6 Prozent verzeichnen. In Ostdeutschland lagen die Verluste bei -4,4 Prozent (-170.000 Zeitungsexemplare); im Westen bei -2,8 Prozent (-599.000 Exemplare). Besonders stark betroffen waren mit einem Minus von fünf Prozent die Kaufzeitungen (Ost: -11 Prozent).          "In schlechten wirtschaftlichen Zeiten werden auch das Zeitungsabonnement und der Zeitungskauf am Kiosk in Frage gestellt", sagte Laskowski. Die allgemeine Zurückhaltung der Konsumenten im Zusammenhang mit der Euro-Einführung habe ihr Übriges getan. Die Gesamtauflage der Zeitungen lag im ersten Quartal bei 29,3 Millionen Exemplaren: 16,3 Millionen lokale und regionale Zeitungen; 1,7 Millionen Überregionale; 5,3 Millionen Kaufzeitungen; 4,3 Millionen Sonntagszeitungen; 1,8 Millionen Wochenzeitungen. Aufgrund der rückläufigen Anzeigenmengen sowie der Verluste im Zeitungsvertrieb rechnet der BDZV für das laufende Jahr mit erheblichen Umsatzausfällen.

    Bereits im vergangenen Jahr musste die Branche ein Umsatzminus aus
Anzeigen/Beilagen und Vertrieb in Höhe von 8,2 Prozent hinnehmen; die
Erlöse gingen von 10,8 auf 10,0 Milliarden Euro zurück. Die
Vertriebsumsätze stiegen um 3,1 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro. Das
Anzeigen- und Beilagengeschäft fiel um 14 Prozent zurück. Dies
entspricht einem Gesamtwerbeumsatz von sechs Milliarden Euro.
    
    Die BDZV-Vertreter machten deutlich, dass die schwierige
wirtschaftliche Lage die Zeitungsunternehmen in einer Zeit des
Strukturwandels treffe. Die Zeitungshäuser seien konsequent dabei,
sich zu Medienunternehmen mit Engagements in allen Mediengattungen zu
entwickeln. Dies sei mit enormen Investitionen verbunden. "Da tun die
Umsatzeinbrüche doppelt weh", so Schulze. In jedem Verlag komme
derzeit alles auf den Prüfstand. Ohnehin anstehende
Umstrukturierungen müssten jetzt mit einem enormen Tempo umgesetzt
werden. Es gehe darum, Synergiepotenziale auszuschöpfen,
Arbeitsabläufe zu optimieren und neue Kooperationsmöglichkeiten
auszuloten. In diesem Prozess sei auch ein Personalabbau in vielen
Verlagen nicht zu vermeiden. Schulze machte klar, es gehe nicht nur
um Einsparungen, sondern zugleich auch um eine Steigerung der
wirtschaftlichen und publizistischen Kraft der Verlagsunternehmen.
Dies sei kein Widerspruch, wenn die bisher nicht ausgeschöpften
Potenziale voll ausgenutzt würden. Als ureigene Stärken der Zeitung
bezeichnete Schulze die redaktionelle Qualität sowie die
hervorragende Dienstleistung gegenüber Lesern wie Werbekunden. Diese
Qualität zu steigern, sei ein wichtiges Stück Zukunftssicherung.
    
    Deutliche Worte richtete der BDZV-Hauptgeschäftsführer an die
Politik: Es sei schon zynisch, wenn angesichts der prekären Lage in
der gesamten Kommunikationswirtschaft vor allem auf EU-Ebene mit
neuer Vehemenz über Werbeverbote diskutiert werde. Zumal den
Verantwortlichen klar sei, dass Werbeverbote grundsätzlich im
Widerspruch zur Meinungs- und Pressefreiheit stehen. Es sei
ungeheuerlich, dass die EU-Kommission unter Missachtung der
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs ein generelles
Tabakwerbeverbot in den Printmedien verlange. Zwar wisse die
Kommunikationswirtschaft in ihrer Ablehnung gegen diese europäischen
Werbeverbote die Bundesregierung an ihrer Seite, doch auch innerhalb
der Bundesregierung gebe es aus einzelnen Ministerien immer wieder
Querschläger wie jüngst der Vorschlag, Tabakwerbung in Kinos zu
verbieten. "Die Werbefreiheit ist Bestandteil der
Kommunikationsfreiheit", so Schulze. Legal hergestellte und
vertriebene Produkte müssten auch legal beworben werden dürfen. Im
Übrigen müsse den Verantwortlichen klar sein, dass die Unabhängigkeit
der Presse nur auf einem wirtschaftlich soliden Fundament
gewährleistet sei. Werbeverbote würden dieses erschüttern; damit
würden Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet.
    
    Als schwere Belastung für die Zeitungsbranche bezeichnete der
Hauptgeschäftsführer den jüngsten Tarifabschluss in der
Druckindustrie, der Lohnsteigerungen von 3,4 Prozent vorsieht. Es sei
kontraproduktiv, dass in einer Zeit, in der es der Branche so
schlecht geht wie nie zuvor, der höchste und teuerste Lohnabschluss
der vergangenen zehn Jahre verkraftet werden müsse. Schulze verwies
auf die Beurteilung des Bundesverbands Druck und Medien (bvdm), dass
dieser Tarifabschluss zu Personalabbau sowie zum Abbau
übertariflicher Leistungen führen werde. Dafür habe sich dann die
Gewerkschaftsseite zu verantworten.
    
    
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