Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Einzelwürdigung Ehrnsperger: Mit ganzheitlich-ökologischem Ansatz deutsche Bierbraukunst revolutioniert
Deutscher Umweltpreis 2001: Dr. Franz Ehrnsperger

    Berlin (ots) - "Wie alle Pioniere wurde auch die Neumarkter
Lammsbräu zunächst mit Kritik überschüttet. Doch die anfängliche,
weitverbreitete Skepsis wich allmählich der Überzeugung, dass der von
ihr aufgezeigte Weg nicht nur richtungweisend, sondern für die
Gesellschaft unumgänglich ist. Ökologie ist Langzeitökonomie:  Dass
diese Theorie heute Praxis ist, ist wesentlich auf  die herausragende
unternehmerische Leistung von rastloser und großer schöpferischer
Konstanz eines Franz Ehrnsperger zurück zu führen." - Mit diesen
Worten würdigte heute Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (DBU), vor Medienvertretern in Berlin die
Lebensleistung des 55jährigen Öko-Unternehmers und Chefs der
Neumarkter Lammsbräu in Bayern, Dr. Franz Ehrnsperger, als einem der
Träger des Deutschen Umweltpreises 2001.
    
    Die DBU schätze das Engagement des Firmenchefs der Brauerei und
Mälzerei, die 1628 gegründet wurde und sich seit 1800 im Besitz der
Familie Ehrnsperger befinde. Mit seinem Eintritt in die
Geschäftsleitung der mittelständischen Brauerei 1974 habe er erste
Ideen zu einer ökologischen Umorientierung des Unternehmens
entwickelt. Er habe schrittweise den Betrieb von konventioneller
Brautechnik auf ökologische Bedingungen umgestellt, die - und das sei
entscheidend - "nicht nur den Bierproduktionsprozess, sondern auch
die vor- und nachgelagerten Stufen wie ökologischen Landbau und
Öko-Controlling berücksichtigt haben".
    
    Das höre sich heute einfacher an, als es damals gewesen sei.
Ehrnsperger habe erst funktionierende Strukturen schaffen müssen, um
sein Motto "Das Reinheitsgebot des Bieres beginnt auf dem Acker"
umsetzen zu können. Er habe die Bauern in der Region überzeugen
müssen, auf den ökologischen Landbau umzusatteln, weil es im ganzen
Landkreis Neumarkt zunächst keinen einzigen Öko-Landwirt gegeben
habe. Unterstützt durch eine Agraringenieurin seien die Landwirte der
Region schließlich dazu gebracht worden, Braugerste, Weizen und
Hopfen auf der Basis ökologischen Landbaus zuzuliefern. Die Bauern
hätten auch bei betriebswirtschaftlichen Fragen auf die von der
Lammsbräu zur Verfügung gestellten Berater zurückgreifen können. Mit
garantierten Abnahmepreisen, die deutlich über dem gelegen hätten,
was für Getreide aus herkömmlichem Landbau bezahlt werde, habe
Lammsbräu die hohe Rohstoffqualität honoriert.
    
    Ehrnsperger und die Lammsbräu hätten immer darauf verwiesen, dass
das Reinheitsgebot nur die Bierzutaten regele, nicht aber deren
Qualität. Um dem selbstgestellten Anspruch gerecht zu werden,
hervorragendes, reines Bier zu brauen, das sich von der Saat bis zum
Ausschank durch einen schonenden Umgang mit der Natur auszeichne, sei
Ehrnsperger sogar von dem linearen, quantitativen Wachstumswunsch
vieler Unternehmer abgerückt.
    
    Schließlich habe er aber zahlreiche Arbeitsplätze für die Region
geschaffen und zur Strukturverbesserung eines ganzen Landkreises
beigetragen. Brickwedde: "Mit gezielten ökologischen Investitionen
wuchs die Neumarkter Lammsbräu zum weltweit größten Produzenten
ökologischer Bier- und Softdrinks. Eine stetige leichte Zunahme der
Gewinne und die sichere Marktposition erlauben es der Brauerei, auch
in Zukunft auf Umweltschutz zu setzen."
    
    Doch nicht nur die ökologische Produktion von Bier- und Softdrinks
sei Ehrnspergers Leistung. Kompromisslos habe er im eigenen Betrieb
auch alle Umweltschwachstellen beseitigt. Ob eine Solaranlage für die
Mälzerei, umweltfreundliche Kälteanlagen, Wiederverwendung
entstehender Abwärme, konsequente Regenwassernutzung, Rückführung der
Abfälle aus Hopfen und Malz in die Landwirtschaft, Umstellung des
eigenen Pkw-Fuhrparks auf Pflanzenölbetrieb, Entwicklung eines
abfallfreien Bierklärfiltrationsverfahrens oder der Verzicht auf
überflüssige Reinigungs- und Desinfektionsmittel - dies alles stehe
für eine konsequente Selbstverpflichtung auf den Umweltschutz.
    
    Aktuelles Projekt sei ein Bierwürzekochverfahren, das gegenüber
herkömmlicher Würzekochung 70 Prozent Energie einspare. Damit würden
jährlich 50.000 Liter Heizöl eingespart und 150.000 Kilogramm
Kohlendioxid-Emission vermieden. Brickwedde: "Das Unternehmen
Neumarkter Lammsbräu kann in hohem Grad als nachhaltigkeitsorientiert
bezeichnet werden, sowohl hinsichtlich seines Managementpotenzials
als auch seiner Resultate der Öko-Effizienz. Dr. Ehrnsperger ist im
Umweltbereich ein Visionär und eine Unternehmerpersönlichkeit mit
Vorbildcharakter, die weit über die Unternehmensgrenzen hinaus
wirkt."
    
    
ots Originaltext: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
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