Osnabrücker Hilfsfonds für Studierende braucht nun selbst Hilfe
Eigentlich ist es das Anliegen des Sozialfonds für Osnabrücker Studierende – kurz: S.O.S. – Studierenden, die unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten sind, unbürokratisch und schnell zur Seite zu springen. Doch nun funkt der Verein selbst ein SOS.
Hilfsfonds für Studierende braucht nun selbst Hilfe
Wegen zu großer Nachfrage: Sozialfonds S.O.S. in Finanznot geraten
Eigentlich ist es das Anliegen des Sozialfonds für Osnabrücker Studierende – kurz: S.O.S. – Studierenden, die unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten sind, unbürokratisch und schnell zur Seite zu springen. Doch nun funkt der Verein selbst ein SOS.
„Der Bedarf an finanzieller Hilfe ist sehr groß und hat in den vergangenen Jahren zugenommen, doch die Spendenbereitschaft ist nicht entsprechend mitgewachsen“, sagt Malte Benjamins, Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins und Leiter des International Office der Universität Osnabrück. Während 2022 noch etwa 18 Anfragen beim S.O.S. eingingen, waren es 2025 etwa doppelt so viele. „Seit der Gründung des S.O.S.-Vereins haben wir knapp 300 Studierende unterstützt“, sagt Kerstin Frodl, Leiterin des Center for International Students an der Hochschule Osnabrück. Es seien insbesondere internationale Studierende, die verstärkt auf eine einmalige finanzielle Hilfe in Höhe von 500 oder 600 Euro angewiesen seien.
Einer von ihnen ist Faizan*, der an der Hochschule Osnabrück Business Management studiert und gerade seine Masterarbeit schreibt. „Ich kam 2023 aus Pakistan nach Deutschland, weil ich mir hier bessere Zukunftsperspektiven erhoffte“, erzählt der Student. Einen Bachelorabschluss hatte er zu dem Zeitpunkt bereits in der Tasche, nun sollte ein Master folgen. Doch aufgrund eines Umzugs von Berlin nach Osnabrück verlor er seinen Job, den er so dringend für die Finanzierung seines Studiums brauchte. „Ich war zwischenzeitlich so pleite, dass ich kaum etwas zu essen hatte“, sagt Faizan. Als er ernsthaft einen Studienabbruch in Erwägung zog, kam der S.O.S. ins Spiel. Dank eines Zuschusses des Vereins sei er wieder auf die Beine gekommen und habe einen Teilzeitjob bei einer Osnabrücker Firma gefunden. „Ich bin von seinen Leistungen so beeindruckt, dass ich für einen Kredit des Studierendenwerkes bürge, damit er sein Studium im Juli erfolgreich abschließt, um anschließend in der Firma eine gut bezahlte Tätigkeit anzutreten“, sagt Prof. Dr. Harald Husemann von der Universität Osnabrück.
Gegründet wurde der S.O.S. im Jahr 2009; Husemann war von Anfang an dabei. „In meinem Seminar hatte ich damals eine Studentin aus Russland, die an Parkinson erkrankte und damit völlig überfordert war“, erinnert sich der Anglistik-Professor. Das Engagement in dem Verein, der sich gleichermaßen an Studierende der Hochschule wie der Universität richtet, ist für den 87-Jährigen ein Herzensprojekt.
„Der Sozialfonds leistet seit vielen Jahren eine enorm wichtige Arbeit für Studierende in akuten Notlagen“, betont Prof. Dr. Andrea Lenschow, Vizepräsidentin für Internationales, Diversität und wissenschaftliche Qualifikation an der Uni Osnabrück. „Gerade internationale Studierende haben oft kein familiäres Sicherheitsnetz vor Ort. Wenn sie unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geraten, kann schnelle Hilfe darüber entscheiden, ob sie ihr Studium fortsetzen können. Deshalb hoffen wir sehr auf zusätzliche Unterstützung aus der Stadtgesellschaft, damit der Fonds auch künftig helfen kann.“
Lioba Meyer, ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Osnabrück und von Anfang an Vorsitzende des Vereins, sieht ihre Aufgabe auch darin, das Anliegen des S.O.S. in die Stadtgesellschaft hinein zu tragen: „Viele Unternehmen unserer Region arbeiten eng mit Universität und Hochschule zusammen. Sie müssten großes Interesse daran haben, Studierende in finanziellen Notlagen zu unterstützen. Das allerdings ist nicht immer ganz einfach zu vermitteln.“
Noch nie war die Lage für den Verein so ernst wie jetzt: „Wir hatten zuletzt eine Krisensitzung zur Frage, ob wir unsere Tätigkeit beenden müssen, weil wir zwar die über Jahre erworbene Beratungsexpertise haben, aber nicht mehr genügend Gelder zur Linderung der Notfälle“, sagt Husemann. Doch schließlich hätten die Vereinsmitglieder einstimmig beschlossen: Aufzugeben ist keine Option.
Weitere Informationen zu dem S.O.S. gibt es unter www.studentsos.de.
*Name auf Wunsch des Studierenden geändert
Weitere Informationen für die Medien:
Malte Benjamins, Universität Osnabrück
International Office
E-Mail: malte.paolo.benjamins@uni-osnabrueck.de
Cornelia Achenbach, Universität Osnabrück Kommunikation und Marketing / Redakteurin Neuer Graben 29/Schloss, 49074 Osnabrück
E-Mail: cornelia.achenbach@uni-osnabrueck.de
Weiteres Material zum Download Dokument: 31_SOS_März_2026.docx