4. Dialoginitiative an der Universität Osnabrück: Neue Impulse für intersektionale Gleichstellung an Hochschulen
Wie kann Gleichstellungspolitik an Hochschulen intersektional gedacht, strukturell verankert und praktisch umgesetzt werden? Dieser Frage ging die 4. Dialoginitiative zum Thema „Intersektionale Gleichstellungspolitik“ an der Universität Osnabrück nach.
Neue Impulse für intersektionale Gleichstellung an Hochschulen
4. Dialoginitiative an der Universität Osnabrück
Wie kann Gleichstellungspolitik an Hochschulen intersektional gedacht, strukturell verankert und praktisch umgesetzt werden? Dieser Frage ging die 4. Dialoginitiative zum Thema „Intersektionale Gleichstellungspolitik“ an der Universität Osnabrück nach. Die zweitägige Tagung in der Schlossaula brachte Expert*innen aus Wissenschaft, Hochschulpraxis, Forschungsförderung und Politik zusammen, um Impulse für eine zukunftsweisende Gleichstellungspolitik zu entwickeln.
„Intersektionale Gleichstellungspolitik bedeutet für uns, unterschiedliche Diskriminierungsdimensionen nicht isoliert, sondern ihre Verschränkungen systematisch zu betrachten“, betonte Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl, Präsidentin der Uni Osnabrück, in ihrer Begrüßung. „Als Universität tragen wir Verantwortung, chancengerechte Strukturen zu schaffen – in Berufungsverfahren, in der Forschungsförderung, in Studium und Lehre ebenso wie in unseren Steuerungsinstrumenten. Die Dialoginitiative ist ein wichtiger Schritt, um hierfür tragfähige Konzepte zu entwickeln.“
Auch der niedersächsische Wissenschaftsminister Falko Mohrs unterstrich die Bedeutung des Themas: „Gleichstellung bedeutet mehr als Geschlechtergerechtigkeit – es geht darum, verschiedene Gründe für Benachteiligungen zusammenzudenken: etwa Herkunft, Behinderung oder sexuelle Identität. Ziel muss sein, strukturelle Barrieren in Wissenschaft und Forschung zu identifizieren und zu beseitigen. Dies bildet die Voraussetzung für ein exzellentes, resilientes, wettbewerbsfähiges und demokratisches Wissenschaftssystem, das vielfältige Perspektiven einbezieht.“
Dr.in Doris Hayn, Vorständin der lakog niedersachsen, also der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen in Niedersachsen, erinnerte in ihren Grußworten daran, dass mit der Dialoginitiative 2007 bewusst eine Offensive für Gleichstellung gestartet worden sei. Seitdem habe sich die Gleichstellungsarbeit an Hochschulen professionalisiert. Gleichzeitig betonte sie, dass Gleichstellung zwar schon immer ein umkämpftes Feld gewesen sei, das Ausmaß an Anfeindungen jedoch deutlich zugenommen habe. Vor diesem Hintergrund brauche es heute mehr denn je ein klares Bekenntnis zu Chancengleichheit, Teilhabe und Diskriminierungsschutz an Hochschulen.
Die Tagung bot Einblicke in den bisherigen Projektstand und setzte fachliche Impulse durch zwei Keynotes: Arn Sauer von der Bundesstiftung Gleichstellung sprach zu „Intersektionalität und Geschlechtervielfalt in Wissenschaft und Hochschule – wie wir Mut aus Scheitern schöpfen können“. Am zweiten Tag referierte Birgitt Riegraf (Universität Paderborn) zu Rahmenbedingungen einer erfolgreichen intersektionalen Gleichstellungspolitik.
Zentrales Element der Tagung waren die sogenannten „Denkräume“ – interaktive Austauschformate zu konkreten Handlungsfeldern: Personalauswahl und -entwicklung, Forschungsförderung, Chancengerechtigkeit in Studium und Lehre sowie Gleichstellungsdaten und Controlling. Unter Anleitung ausgewiesener Expert*innen wurden Good-Practice-Beispiele diskutiert, Herausforderungen identifiziert und Perspektiven für die Weiterentwicklung eines Gesamtkonzepts erarbeitet. Die Ergebnisse fließen in den weiteren Prozess der Dialoginitiative ein.
„Unsere Gleichstellungsarbeit intersektional auszugestalten ist eine Herausforderung auf individueller und struktureller Ebene“, sagte Dr.in Sabine Jösting, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Osnabrück und Projektleiterin der 4. Dialoginitiative. „Es gilt, subjektiven und strukturellen Widerständen zu begegnen, offen zu bleiben für die Vielschichtigkeit unterschiedlicher Diskriminierungserfahrungen und bestehende Gleichstellungsmaßnahmen weiterzuentwickeln. Die dem Thema innewohnende Komplexität muss dabei auf eine handlungspraktische Ebene übertragen werden – eine anspruchsvolle Aufgabe, die wir jedoch gemeinsam erfolgreich gestalten können.“
„Diese Tagung markiert keinen Abschluss, sondern findet während des Projektprozesses statt. Die hier diskutierten Perspektiven und Ergebnisse fließen in die abschließenden Handlungsempfehlungen für eine intersektionale Gleichstellungspolitik im Hochschulkontext ein. Für Hochschulen lohnt es sich daher, den weiteren Projektverlauf aufmerksam zu verfolgen – die Veröffentlichung der Handlungsempfehlungen ist für Herbst 2026 angestrebt“, sagt Projektkoordinatorin Svenja Stegemann-Holberg von der Uni Osnabrück.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Anneliese Niehoff von der Universität Bremen.
Die Dialoginitiative wird gefördert durch das Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur und in Partnerschaft mit der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen (LHK) sowie der lakog niedersachsen umgesetzt.
Weitere Informationen für die Medien:
Svenja Stegemann-Holberg, Universität Osnabrück
Gleichstellungsbüro
E-Mail: svenja.stegemann-holberg@uni-osnabrueck.de
Cornelia Achenbach, Universität Osnabrück Kommunikation und Marketing / Redakteurin Neuer Graben 29/Schloss, 49074 Osnabrück
E-Mail: cornelia.achenbach@uni-osnabrueck.de
Weiteres Material zum Download Dokument: 29_PM_Gleichstellung_März_2026.docx