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Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten
Am Sonntag, 1. November 2015, 19:20 Uhr vom BR im Ersten

München (ots) - Moderation: Natalie Amiri

Geplante Themen:

Türkei: Wählen, bis das Ergebnis passt? / Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr werden die Türken am Sonntag zu den Wahlurnen gerufen, nachdem bei den Parlamentswahlen im Juni die regierende und von Erdogan gegründete islamisch-konservative Partei AKP ihre absolute Mehrheit verloren hatte. Anschließende Koalitionsgespräche führten zu keinem Ergebnis. Die Politik der AKP hat das Land tief gespalten, im Südosten herrschten zeitweise bürgerkriegsähnliche Zustände. Mit der Neuwahl verbindet Staatspräsident Erdogan große Pläne: Mit der erhofften absoluten Mehrheit möchte er ein Präsidialsystem einführen, das dem Präsidenten zu mehr Macht verhelfen soll. Dabei scheint ihm jedes Mittel recht zu sein: Eingriffe in die Medienlandschaft, Entlassung oder Versetzung von Polizeibeamten, Richtern oder Schuldirektoren. Manche behaupten sogar, dass er den Kampf gegen die PKK hat aufleben lassen, um dadurch Stärke zeigen zu können. In seinen Reden spricht der Präsident von "uns" und "denen". Und wer nicht zu ihm gehört, ist gegen ihn. Martin Weiss hat mit Menschen gesprochen, die unter dem "System Erdogan" leiden, mit "denen", die den langen Arm des Präsidenten zu spüren bekamen. Die kurdische Bürgermeisterin von Cizre, die vom Innenministerium aus ihrem Amt entlassen wurde, mit einer Aktivistin, die den blutigen Anschlag am 10. Oktober in Ankara überlebte und der Regierung eine Mitschuld daran gibt, und mit Künstlern und Intellektuellen, die aus Angst vor den Folgen ihrer Arbeit die "Schere im Kopf" haben und darüber nachdenken, das Land zu verlassen. (Autor: Martin Weiss, ARD Istanbul)

Schweden: Das Boot ist voll - Ende des Traums von der Integration? / Riksgränsen im Norden Schwedens, an der Grenze zu Norwegen. Hier, wo nicht einmal mehr 50 Menschen leben, werden jetzt Flüchtlinge in einem Skihotel untergebracht. Eine Notlösung. Die Flüchtlinge fühlen sich in den einsamen Weiten, in Kälte und Dunkelheit, abgeschoben und völlig verloren. Aber die Kapazitäten im Land sind wegen des großen Andrangs derzeit ausgeschöpft. Kein EU-Land hat im Verhältnis mehr Flüchtlinge aufgenommen als das auf sein Integrationsmodell so stolze Schweden, das über viele Jahre das europäische Traumland zahlreicher Einwanderer und ein Vorbild für Offenheit und Willkommenskultur war. Doch jetzt scheint die Stimmung zu kippen. Immer häufiger werden auch hier Flüchtlingsheime in Brand gesteckt. Und das so erfolgreiche System der Integration von Ausländern ist wegen der hohen Zahl von Asylsuchenden ins Stocken geraten. Clas Oliver Richter ist auf der Spur der Flüchtlinge von Süden nach Norden durch Schweden gefahren und zeigt die Probleme eines Einwanderungslandes auf, die auch auf Deutschland zukommen könnten. (Autor: Clas Oliver Richter, ARD Stockholm)

Madagaskar: Tanz mit den Toten / Jetzt im oft grauen und feuchten November gedenken wir der Toten. Eher still und jeder für sich. In Madagaskar wird das Totengedenken ganz anders zelebriert: als rauschendes Freudenfest im Kreis der Großfamilie, bei dem an nichts gespart wird. Dazu müssen aber erstmal ein paar tote Familienmitglieder ausgebuddelt werden. Was für uns bizarr klingt, ist in Madagaskar ganz normal. Mindestens alle zehn Jahre werden die Verstorbenen aus den Gräbern geholt und in neue Tücher gehüllt. Und dann wird mit ihnen gefeiert. Denn die Toten spielen im Leben und Denken der Madegassen eine große Rolle. Ahnen werden sehr häufig um Rat gebeten, in der madegassischen Vorstellung sind die Verstorbenen immer noch "auf der Welt", also unter den Menschen. (Autorin: Sabine Bohland, ARD Nairobi)

China: Riesling und Chardonnay für die Mittelschicht / Wenn China an etwas Geschmack findet, dann geraten Weltmärkte in Wallungen. Angesichts eines ständig wachsenden Mittelstandes von jetzt über 200 Millionen Menschen lockt da das ganz große Geld. Denken sie an China, geraten derzeit die Weinproduzenten weltweit in einen leichten Rauschzustand. Zwar trinken die Chinesen im Schnitt nicht einmal zwei Liter Wein im Jahr, während es die Franzosen auf 44 Liter bringen, aber es gibt nun einmal sehr viele Chinesen. Lange war guter Wein nur ein Getränk für Bonzen, die zwar keine Ahnung hatten, aber teure Statussymbole schätzten. Nun verbietet die Antikorruptionskampagne den Kadern solche Ausgaben. Dafür findet der Mittelstand immer mehr Gefallen an Bordeaux, Shiraz und Chardonnay. Mit dem Einkommen wächst der Wunsch nach Genuss, überall werden Weinkurse angeboten. Vorbei die Zeiten, da in China Wein auch gerne mal mit Cola gemischt wurde. Und China produziert selbst immer bessere Weine, vor allem in der Provinz Ningxia; dort sind edle Chateaus inmitten von Weinbergen weithin sichtbar. Bei der Anbaufläche liegt China weltweit schon auf Platz zwei hinter Spanien. (Autor: Mario Schmidt, ARD Peking)

Redaktion: Karola Baier

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