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Kölner Stadt-Anzeiger

Kein Kölner Bischof beim Abschluss des Synodalen Wegs -Kardinal Woelki und Weihbischöfe fehlen bei letzter Synodalversammlung - Ex-ZdK-Vizepräsidentin Lücking-Michel: Bedauerlich, unsolidarisch,unklug

Köln (ots)

Beim Abschluss des "Synodalen Wegs", eines sechsjährigen Reformprozesses innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland, wird kein Bischof aus dem Erzbistum Köln vertreten sein. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstag-Ausgabe) nach der erklärten Absage von Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki berichtet, werden auch Woelkis Weihbischöfe Ansgar Puff, Dominikus Schwaderlapp und Rolf Steinhäuser der sechsten und letzten Synodalversammlung fernbleiben, die von diesem Donnerstag (29. Januar) bis Samstag (31. Januar) in Stuttgart stattfinden wird. Gründe habe das Erzbistum auf Anfrage nicht mitgeteilt, berichtet die Zeitung weiter. Der Synodalversammlung gehören rund 230 Mitglieder an, unter ihnen qua Amt alle deutschen Bischöfe. Woelki hatte dem bistumseigenen "domradio" gesagt, für ihn sei der Synodale Weg nach den ursprünglich vereinbarten fünf Synodalversammlungen abgeschlossen. Für eine während des 2020 begonnenen Projekts vereinbarte weitere Sitzung zur Evaluierung des Synodalen Wegs und seiner Beschlüsse gebe es kein Mandat.

Der Kölner Diözesanrat, die Vertretung der Laien im Erzbistum, erklärte auf Anfrage des "Kölner Stadt-Anzeiger", man habe Woelkis Interview zum Ausstieg aus dem Synodalen Weg zur Kenntnis genommen. "Wir bleiben mit ihm im Gespräch", sagte der Diözesanratsvorsitzende Tim-O. Kurzbach. Er selbst sowie ein weiteres Vorstandsmitglied des Diözesanrats nehmen nach Kurzbachs Angaben als Synodale aus dem Erzbistum Köln in Stuttgart teil. Die frühere Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel, sprach von einer bedauerlichen, unsolidarischen und unklugen Entscheidung der Kölner Bischöfe. Sie erinnerte daran, dass die Bischöfe den Synodalen Weg 2019 gemeinsam mit dem ZdK beschlossen und gestartet hätten. Es brauche im Prozess ausdrücklich auch die kritischen Stimmen, sagte Lücking-Michel, die selbst der Synodalversammlung angehört. Zudem "täte es auch dem Erzbistum Köln gut, vernetzt zu sein, Impulse mitzunehmen und die Zukunft der Kirche in Deutschland aktiv mitzugestalten", sagte die ehemalige ZdK-Vizepräsidentin dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Ohne Woelki namentlich zu nennen, sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf: "Ein Bischof ist gut beraten, wenn er nicht dauerhaft Bischof gegen die Gläubigen ist." Die deutschen Bischöfe seien in ihrer Planung für eine ständige "Synodalkonferenz" auf nationaler Ebene "auf alle Bedenken eingegangen, insbesondere auf die Sorge, dass gemeinsames Beraten und Entscheiden in synodalen Gremien die Autorität des Bischofs untergraben oder die Verantwortung für sein Bistum aushebeln könnte". Woelki sieht ein solches Gremium skeptisch, weil jeder Bischof für sein Bistum eine Letztverantwortung habe, "die ihm von Christus selbst übertragen" ist.

Der Münsteraner Kirchenrechtlicher Thomas Schüller, der sich seit 2023 in einem sogenannten Synodalen Ausschuss an der Verstetigung synodaler Verfahren über das Ende des Synodalen Wegs hinaus engagiert hat, bezeichnete Woelkis Vorbehalte gegen ein nationales Beratungs- und Entscheidungsgremium als "strukturell häretisch". Ein Bischof sei kein absolutistischer Herrscher nach dem Motto "La foi c'est moi - Der Glaube, das bin ich", entgegnete Schüller. "Ein Bischof ohne Volk ist - nichts."

Der Synodale Weg war 2019 gemeinsam von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und dem ZdK als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal in Kirche beschlossen worden. Beschlüsse zu Reformen auf den Themenfeldern Macht und Gewaltenteilung, Sexualmoral, Priesterbild und Stellung der Frau sollten dazu beitragen, Ursachen und Risikofaktoren für sexuellen Missbrauch zu bekämpfen.

Bericht auf www.ksta.de/1201485

Wortlaut des Interviews mit Peter Kohlgraf: www.ksta.de/1201207

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