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Westfalen-Blatt: zum Machtkampf bei VW

Bielefeld (ots) - Gemeinsam hatten sie Großes vor: den Volkswagen-Konzern mit seinen inzwischen zwölf Marken an die Spitze der Automobilhersteller zu führen. Bis spätestens 2018 wollten der Vorstandschef Marin Winterkorn und der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch mit den Produkten aus ihren Werkshallen General Motors und Toyota überholen. Das Ziel ist fast erreicht. Zumindest, was die Verkaufszahlen betrifft. VW hat 2014 erstmals mehr als zehn Millionen Fahrzeuge weltweit abgesetzt, damit fast zu den Japanern aufgeschlossen. Doch den Schlussspurt wird das langjährige Erfolgsduo Piëch/Winterkorn wohl nicht mehr Seite an Seite durchziehen. »Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.« Wenige Worte - die aber sind von enormer Tragweite. Schließlich war es Patriarch Piëch, der diesen Satz einem Journalisten in den Block diktierte. Und damit Erinnerungen weckte: Schließlich hat es der begnadete Ingenieur und nicht minder begabte Stratege schon immer bestens verstanden, die Medien für seine Zwecke einzuspannen. Zuletzt war es Wendelin Wiedeking, dem auf diesem Wege mitgeteilt wurde, dass er als Porsche-Chef keine Zukunft mehr habe: »Herr Wiedeking war ein guter Vorstand...« Ähnlich erging es zuvor VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder oder Audi-Chef Franz Josef Paefgen, die ebenfalls in den Medien lesen mussten, was Großaktionär Piëch über ihre Zukunft dachte. Dass es jetzt Winterkorn trifft, mag aufgrund der Rekorde bei den Verkaufszahlen zunächst überraschen. Auf der anderen Seite läuft VW seit Jahren der Rendite Toyotas hinterher. Analysten haben errechnet, dass die Japaner pro Mitarbeiter um die 38 000 Euro verdienen - was in etwa doppelt so viel ist wie bei VW. Das hat Piëch schon mehrfach angemahnt. Ebenso die katastrophal falsche Einschätzung des US-Marktes, auf dem Volkswagen noch immer keinen Fuß vor den anderen bekommt. Frühestens 2017 ist hier mit neuen Produkten Besserung zu erwarten. Eine lange Durststrecke. Die muss so oder so überstanden werden - auch ohne Winterkorn, wenn es denn tatsächlich zu dessen Abschied kommt. Viel spricht dafür, dass es so sein wird. Auch wenn sich Betriebsrat, das Land Niedersachsen und auch die Familie Porsche eindeutig auf die Seite Winterkorns geschlagen haben, ist kaum damit zu rechnen, dass er 2017 die Nachfolge von Piëch als Aufsichtsratschef antreten wird. Machtkämpfe solcher Art, eben auch zwischen Piëch und der Porsche-Familie mit Wolfgang an der Spitze, haben trotz des oftmals lauten Säbelrasselns der Gegenseite bislang immer nur einen Sieger gekannt: Ferdinand Piëch. Ob der als solcher schon am 4. Mai bei der VW-Aufsichtsratssitzung feststeht, bleibt abzuwarten. Winterkorn selbst sagt im Hinblick auf seine Zukunft nur einen Satz: »Es gibt eine.« Bei VW aber dürfte die nicht zu finden sein. Das Verhältnis des Erfolgsduos Piëch/Winterkorn ist dafür zu zerrüttet.

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