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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Volkswagen

Bielefeld (ots) - Milliardenschwere Kostensenkungen auf der einen Seite und ebenso große Investitionen in eine neue Baustelle? Was seit gestern als neues Gerücht rund um den riesigen Volkswagen-Konzern wabert, könnte unterm Strich durchaus Sinn machen. Denn die Verbesserung der Rendite bei der Kernmarke VW auf mehr als derzeit zwei bis drei Prozent ist wohl zwingend notwendig, soll es weiter aufwärts gehen. Auf der anderen Seite könnte der Zukauf von Chrysler-Fiat der Schwächephase von VW in den USA mittelfristig ein Ende bereiten. Schließlich hat Chrysler nicht nur ein umfangreiches Händler- und damit Vertriebsnetz. Auch in Sachen Pick-ups, in den USA bekanntermaßen so beliebt wie große Geländewagen, hat Chrysler anders als VW ein ansprechendes Portfolio. Doch die US-Probleme von VW haben weniger mit dem Umfang der Modellpalette zu tun als mit den Besonderheiten des dortigen Marktes. Die Kunden dort verlangen nach schnelleren Erneuerungen der Modelle. Gleichwohl aber würde der Kauf von Chrysler-Fiat auch große Risiken bergen. Die sind zunächst finanzieller Art. Denn Chrysler-Fiat hat sich in den vergangenen Jahren gut erholt, fährt zumindest in den USA Gewinne ein und dürfte deshalb nicht für Kleingeld zu haben sein. Der VW-Konzern hat indes hat sich gerade die Komplettübernahme des Lkw-Herstellers Scania sehr viel Geld kosten lassen. Damit sich das rentiert, muss schnellstens die interne Allianz mit MAN auf den Weg gebracht werden. Das wiederum kann nur mit fähigen Köpfen gelingen. Sind die hier gebunden, fehlen sie an anderer Stelle. Beispielsweise wenn es darum ginge, Chrysler-Fiat samt Alfa einzubinden. Dabei ist der VW-Konzern schon jetzt mit seinen zwölf Marken, einem Umsatz von etwa 200 Milliarden Euro in 2013 und den mehr als 600 000 Beschäftigten weltweit ein schwer zu lenkendes Gebilde. Zwar werden derzeit nicht zuletzt dank Audi und Porsche sowie der Erfolge in China noch Rekordgewinne eingefahren. Dass Konzernchef Martin Winterkorn erst jetzt zum großen Rundumschlag ausholt und mangelhafte Rendite bei der Kernmarke geißelt, stimmt nachdenklich. Schließlich dürfte ihm und seinen Vorstandskollegen nicht erst jetzt bekannt sein, dass die Lohnkosten nicht mit der Produktivität standhalten, wie es Winterkorn formuliert. Wenn das so ist, dann hätte der Konzern eher reagieren müssen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Winterkorn und auch der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch angesichts der Vielschichtigkeit des Konzerns diese Renditeschwäche aus den Augen verloren haben. Ein Zeichen auch dafür, die Verantwortung auf mehr starke Schultern und schlaue Köpfe zu verteilen. Die aber sind bekanntlich im Konzern schon sehr gebunden.

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