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Westfalen-Blatt: zum Treffen Schröder/Putin

Bielefeld (ots) - Vom Putin-Versteher zum Putin-Umarmer ist es nicht weit. Nur eine Reise von Hannover-Waldhausen nach St. Petersburg. Knapp 2000 Kilometer hat Gerhard Schröder auf diesem Weg zurückgelegt - und die westliche Wertegemeinschaft verlassen. Wenn ein deutscher Altkanzler seinen 70. Geburtstag mitten in der hochbrisanten Ukraine-Krise mit dem Mann nachfeiert, der den Konflikt zumindest entschärfen könnte, aber allem Anschein nach das Gegenteil dessen tut, dann ist das ein Vorgang von erheblicher Tragweite. Schröders Kaltschnäuzigkeit ist berüchtigt. Aber das Treffen mit Putin am Montagabend in St. Petersburg geht weit über machtbewusstes Handeln und schlechte Manieren hinaus. Ganz offensichtlich mangelt es Gerhard Schröder an Anstand, an Respekt gegenüber dem deutschen Volk, das ihn 1998 und 2002 zum Bundeskanzler wählte. Natürlich ist der SPD-Politiker nach dem Ausscheiden aus dem Spitzenamt nicht mehr an den Amtseid gebunden. Vielleicht meint er sogar, den Nutzen des deutschen Volkes dadurch zu mehren, dass er als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Ostsee-Pipeline Nord Stream zur Energieversorgung beiträgt. Ist der Gedanke, dass Schröder in der aktuellen Krise Einfluss auf seinen Freund Putin nehmen könnte, wirklich so naiv? Man weiß nicht einmal, ob die politische Lage Gesprächsthema zwischen den beiden ist. Jedenfalls lehnt es Schröder ab, in dem Konflikt zu vermitteln. Der kurze Draht des Altkanzlers zum russischen Präsidenten macht es der deutschen Politik in der Ukraine-Krise nicht leichter. Schröders früherer Kanzleramtschef, der heutige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, möchte sich zu der engen Verbindung lieber nicht äußern. Doch was gibt dieser Freundschaft von Putin und Schröder solch eine Tiefe? Ganz gewiss ist es nicht das Geld, das Schröder von der Gazprom-Tochter Nord Stream AG bekommt. Als Ex-Regierungschef könnte er auch ohne Zuwendungen des russischen Staatskonzerns ein angenehmes Leben führen und seine Familie ernähren. Und genau da, zuhause in Hannover, könnte der Kern der Freundschaft zu Putin liegen. Gerhard Schröder hat keine leiblichen Kinder. Mit seiner vierten Frau, Doris Schröder-Köpf, hat er zwei Kinder aus Russland adoptiert: im Jahr 2004 die aus Putins Heimatstadt Sankt Petersburg stammende Viktoria, die damals zwei Jahre alt war, und 2006 den im selben Jahr geborenen Gregor. So hart der Basta-Kanzler auch heute zuweilen noch wirken mag: Als Vater seiner beiden Adoptivkinder soll er seine andere, weiche Seite zeigen. Sollte Putin das Adoptionsverfahren unterstützt haben, wovon auszugehen ist, dürfte ihm Schröder auf ewig dankbar sein. Gerade wegen der Kinder aber sollte dem Altkanzler der Frieden ein Herzensanliegen sein.

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