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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Seligsprechung von Johannes Paul II.

Bielefeld (ots) - In Sachen Tempo schlägt Papst Johannes Paul II. sogar Mutter Teresa von Kalkutta. Die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin ist 2003 nur sechs Jahre und 44 Tage nach ihrem Tod selig gesprochen worden. Bei Karol Wojtyla unterbietet der Vatikan diesen Rekord sogar um 15 Tage. In jeglicher Hinsicht ist die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. eine Besondere. Er, der zu Lebzeiten aufgrund seiner unzähligen Reisen liebevoll als »Eiliger Vater« bezeichnet wurde, macht seinem Spitznamen nun auch posthum alle Ehre. Die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. ist nicht nur die schnellste der Neuzeit. Mit der Zeremonie auf dem Petersplatz hat erstmals ein Papst seinen direkten Vorgänger in das Buch der Seligen geschrieben. Man kann das Tempo des Verfahrens kritisieren. Normalerweise dauert so etwas Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Frühestens fünf Jahre nach dem Tod wird das Seligsprechungsverfahren eigentlich erst eröffnet. Bei Mutter Teresa hatte Johannes Paul II. eine Ausnahme gemacht. Bei ihm selbst hatte sein Nachfolger Benedikt XVI. entschieden, dass die Fünf-Jahres-Frist keine Anwendung findet. Wie auch immer man zu dem Blitzverfahren steht: Die großen Verdienste Pauls des Zweiten sind unbestritten. Karol Wojtyla, 30 Kilometer von Auschwitz geboren, ist mitten im Kalten Krieg am 16. Oktober 1978 zum Papst gewählt worden. Sein Beitrag, die Einheit Europas und Deutschlands in Frieden und Freiheit voranzubringen, gilt als seine größte Leistung. Er hat in den 26 Jahren seines Pontifikats die katholische Kirche und die Welt verändert. Bei aller Kritik an seiner konservativen Theologie und seiner Haltung in Glaubens- und Moralfragen zählt die Aussöhnung der katholischen Kirche mit anderen Religionen, insbesondere mit dem Judentum, zu seinen größten Verdiensten. Johannes Paul II. war zwar kein Papst zum Kuscheln, aber er hatte eine Haltung, war sympathisch und somit äußerst beliebt. Johannes Paul II. hat mitgeholfen, den Eisernen Vorhang wegzureißen. Als die Menschen zu Zeiten des Kalten Krieges Angst hatten, machte er die Zusammenführung wirtschaftlicher und politischer Systeme zu seinem Thema. Er redete von Grenzöffnung und sprach damit den Menschen, die sich nach Freiheit sehnten, aus der Seele. Auf dem Petersplatz befand sich gestern auch die französische Nonne Marie Simon-Pierre Normand. Ihre Heilung von der Parkinson-Krankheit war vom Vatikan als »Wunder« auf Fürsprache von Johannes Paul II. anerkannt worden. Nach der Seligsprechung lächelte sie und applaudierte begeistert. Wie bei der Trauermesse für Johannes Paul II. am 8. April 2005 ertönten Chöre mit dem Appell: »Santo subito« (Sofort heilig). So weit ist es noch nicht. Aber die Heiligsprechung des »Eiligen Papstes« - dem Diener Gottes - wird nicht lange auf sich warten lassen.

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