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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Berlinale

Bielefeld (ots) - Die Berlinale ist hochpolitisch, und »politisch« ist ja ein Synonym für »öde« und »spaßfrei«. Sie hat ein dünnes Programm: nur 16 Filme. Sie lockt kaum einen Star an: Madonna kommt für einen Drei-Minuten-Trailer, dann verschwindet sie in den Privatclub »Soho House«. Damit wären die Berliner Filmfestspiele, die gestern begonnen haben, abgehakt, und wir können, wie jedes Jahr im Februar, unseren Klagegesang über den Tod des Films anstimmen. Doris Dörrie singt uns vor: Deutsche Filmstudenten glauben, man könne in der Heimat keine Geschichten fürs Kino finden. Sie hat außerdem gesagt, dass hinter jeder Häuserecke ein Fernsehredakteur lauert, der dem Jungfilmer die Keule des massentauglichen Mittelmaßes über die Rübe zieht, und dann hat sie noch gesagt: »Ich traue mich nicht mehr, Filmstudenten nach Fellini zu fragen, denn die Antworten sind so deprimierend, dass ich sofort anfange zu weinen.« Ja, Fellini. Der war ein Guter. Und nun vergessen wir die ollen Kamellen und schauen ins Hier und Heute. Auf die Berlinale, die nicht dünn ist, sondern schlank, was nur bedeutet, dass alles draußen bleiben musste, was die Programme anderer Festivals über Gebühr aufbläht. Klar: Cannes und Venedig haben mehr Sexappeal als Berlin, das liegt natürlich am weißen Strand und an der pittoresken Lagune. In Berlin hingegen, das nur die einbetonierte Spree hat, zieht jemand die Fäden, der die Kunstform »Film« noch ernst nimmt: Dieter Kosslick, der Festivalchef. Er schielt ein bisschen auf die Stars, das sei ihm vergönnt, aber die südeuropäische Attitüde, der große Namen wichtiger sind als die auf der Leinwand erzählten Geschichten, ist Kosslick wesensfremd. Zum Wohle der Themen, die der Mainstream-Kinogänger für freakig hält - Migration, Homosexualität, Korruption -, hat Berlin eine eigene Sektion (»Panorama«), für den Schwerpunkt Familienkonflikte eine weitere (»Forum«). Und im Hauptprogramm sind Überraschungen absehbar. Und »Überraschung« ist ja ein Synonym für »beste Unterhaltung«. Wird uns der einzige deutsche Beitrag Intelligenteres von der RAF berichten als einst der dissonante Heldengesang »Baader-Meinhof-Komplex«? Können Kevin Spacey und Demi Moore das sperrige Thema »geplatzte Finanzblase« fassbar machen? Sind die »Contes de la Nuit« wirklich ein wunderbares Märchen? Und was gibt es über jene berühmte Episode zu erzählen, als der Philosoph Nietzsche, in Turin ein Pferd umarmend, in geistiger Umnachtung zu verdämmern begann? Französische Komödie (leider außer Konkurrenz), englisches Shakespeare-Drama in der Jetztzeit, türkisches Dreieck mit einer hübschen Studentin und zwei verschrobenen WG-Typen: An tollen Geschichten herrscht kein Mangel. Hat hier jemand behauptet, das Kino wäre tot?

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