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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Wirtschaftsprognosen

Bielefeld (ots) - Was bringt uns das Jahr 2011? Wachstum? Mehr Jobs? Eine tarifliche Lohnerhöhung? Oder stürzt uns die EU-Schuldenkrise ins Chaos? Eine Glaskugel hat niemand. Aber es gibt Wirtschaftsforscher. Ihre Aufgabe ist es, Politikern, Unternehmern, Lobbyisten sowie auch uns Normalbürgern ein Stück Orientierung zu geben. Ihre Prognosen dienen dazu, auf bestimmte Entwicklungen vorbereitet zu sein. Soweit die Theorie. Nun zur Praxis. Die Vergangenheit hat gelehrt, dass Prognosen oft nicht das Papier Wert sind, auf dem sie verfasst wurden. Die Wirtschaftsweisen haben weder die Bankenkrise 2008 noch den XXL-Aufschwung 2010 vorhergesagt. Die Wirtschaft ist - Gott sei Dank - nicht eingebrochen. Sie hat sich prächtig erholt. Mehr noch: Deutschland hat innerhalb Europas die Funktion einer Konjunkturlokomotive übernommen. So sind die Vorhersagen für 2011 mit Vorsicht zu genießen. »Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen«, soll der amerikanische Schriftsteller Mark Twain (»Tom Sawyer«) einmal gewitzelt haben. Und Winston Churchill hatte einst gelästert: »Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat.« Vielleicht haben die Bürger dann doch ein besseres Gespür für das, was sich um sie herum tut. Jedenfalls haben sie sich 2010 nicht bange machen lassen. Das zeigt sich am besten am Konsumverhalten: Immer nur Sparen war gestern. Jetzt wird sich auch mal etwas gegönnt. So ist der Deutsche im Jahr 2010 nicht nur ein Wutbürger, sondern vor allem ein Kaufbürger, wie es das Handelsblatt kürzlich formulierte. Viele Beschäftigte haben bereits in den vergangenen Monaten etwas mehr Geld in ihrer Lohntüte vorgefunden und damit - zumindest zum Teil - den Binnenkonsum beflügelt. Experten (wieder einmal) sind sich einig, dass der Konsum den Aufschwung mitträgt. Umso wichtiger ist es, dass die Arbeitnehmer bei den anstehenden Tarifverhandlungen einen angemessenen Zuschlag erhalten. Angemessen heißt: deutlich mehr als die Inflationsrate von 1,0 bis 1,5 Prozent. In vielen Branchen ist eine Tariferhöhung angesichts wieder steigender Gewinne und guter Aussichten gerechtfertigt. Außerdem muss eine Lohnerhöhung die steigenden Energiekosten und höheren Sozialabgaben, die auf uns alle zukommen werden, ausgleichen. Sparen werden die Deutschen natürlich auch künftig. Dabei hat das Sparbuch ausgedient. Viele Bürger entdeckten Gold als Anlageform. Anfang 2010 kauften sie das damals bereits teure Edelmetall - entgegen dem Rat der Bankexperten. Gut, dass die Bürger auf ihr Gefühl vertraut haben. Denn der Preis des Goldes ist binnen einen Jahres um 37 Prozent (!) gestiegen. Eine klar bessere Rendite, als etwa Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit 25 Prozent erstrebt. Wenn das kein gutes Omen für 2011 ist.

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