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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Rücktritt von Dieter Althaus

Bielefeld (ots)

Mit dem Rücktritt von seinen Ämtern hat Dieter
Althaus die Konsequenz aus dem desaströsen Wahlergebnis der 
thüringischen CDU gezogen. Das verdient Respekt, ist aber nichts 
Ungewöhnliches. Horst Seehofer hat's - unnachahmlich lapidar - auf 
den Punkt gebracht: »Die Abläufe in der Politik sind hart, wenn Sie 
keinen Erfolg haben.«
Die Chance auf einen ehrenvollen Abgang hingegen hatte Dieter Althaus
schon lange zuvor verpasst. Einfach zu kalkuliert war sein Umgang mit
dem tragischen Ski-Unfall vom 1. Januar dieses Jahres, bei dem eine 
41-jährige Mutter ihr Leben verlor. Erst sorgte die schnelle 
Urteilsfindung mit einem nahezu maßgeschneiderten Richterspruch für 
Erstaunen, dann folgte die Geheimniskrämerei um die Genesung des 
51-Jährigen. Bis zuletzt war man bemüht, jeden Zweifel an seiner 
Belastungsfähigkeit zu zerstreuen.
 Wem das noch erträglich erschien, dem mussten Zweifel kommen, als 
Althaus in Interviews allzu offen über sein Leben nach dem Unfall 
Auskunft gab. Versuchte da einer, politisches Kapital aus einer 
persönlichen Tragödie zu ziehen? »Ich bin ja gefragt worden«, 
erklärte Althaus knapp. So bedurfte es erst einer Intervention der 
Opferfamilie, um dem Treiben ein Ende zu setzen.
 Keine Frage: Vor einem Fehler, wie er Dieter Althaus am Neujahrstag 
unterlief, ist kein Mensch auf dieser Welt gefeit. Man sollte sich 
also hüten, allein deshalb über ihn zu richten. Auch mag das 
österreichische Gerichtsverfahren juristisch einwandfrei gewesen 
sein. Und es stimmt sogar: Zahllose Journalisten haben bei Althaus 
nachgefragt - weil der Unfall für sie »die Story« war.
Den Umgang aber mit einem solchen Fehler und den Fragen danach, den 
hat jeder Mensch, den hatte auch Dieter Althaus selbst in der Hand. 
Für den thüringischen Ministerpräsidenten stand der Entschluss 
schnell fest. Er wollte in der Politik bleiben. Er wollte 
weitermachen wie bisher. Entsprechend konsequent, geradezu 
geschäftsmäßig kühl spulte er sein Programm ab. Für ihn mag das 
alternativlos gewesen sein, für viele Menschen war es taktlos.
Seine Partei trägt dafür eine gehörige Mitverantwortung. In 
Ermangelung eines geeigneten Nachfolgers schien es der CDU in Land 
und Bund ganz recht, dass Althaus nicht aufgab. Anstatt den Menschen 
Althaus zu schützen, hat sich die Partei hinter dem Politiker Althaus
versteckt. Der gesamte Wahlkampf wurde auf den Spitzenmann 
zugeschnitten.
 Kaum aber war diese Strategie krachend schiefgegangen, gingen die 
Parteifreunde auf Distanz. Erst fehlte es an Unterstützung, dann 
setzte die Kritik ein. Entsprechend pflichtschuldig fiel gestern so 
manches Wort des Bedauerns aus. Nur zu gut weiß die CDU, dass man 
ohne Althaus deutlich bessere Karten im thüringischen Koalitionspoker
hat.
Auch weil das so ist, muss Dieter Althaus nun selbst erleben, was es 
bedeutet, wenn auf ein Einzelschicksal keine Rücksicht genommen wird.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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