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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Schulpolitik in NRW

Bielefeld (ots)

Streber gelten allgemein als unbeliebt. Sie sind
meistens Außenseiter. Mit ihnen will niemand etwas zu tun haben. Sie 
pauken nur, anstatt cool zu sein und Schule blöd zu finden.
In diesem Fall ist das anders. Fünf Wochen vor Beginn der 
Sommerferien hat eine »Schülerin« namens Barbara Sommer ihr 
Zwischenzeugnis erhalten. Zwei Einsen, drei Zweien und ein 
Befriedigend stehen da schwarz auf weiß. Streberin. Aber eine 
beliebte Streberin.
Denn von guten Noten konnte Nordrhein-Westfalen bislang nur träumen. 
Jetzt ist alles anders. Nach dem überstandenen Pisa-Schock ist NRW in
Sachen Schulpolitik Spitzenreiter.
Barbara Sommer hat ihre Hausaufgaben gemacht. Kopfnoten, freie Wahl 
der Grundschule, Sprachtests für Vierjährige, mehr individuelle 
Förderung, 5000 neue Lehrer, Reduzierung des Unterrichtsausfalls um 
gut 40 Prozent. Ausbau von Ganztagsschulen, Zentralabitur, Verkürzung
der Gymnasialzeit auf acht Jahre - und diese Liste ist nicht einmal 
vollständig.
Erinnern wir uns an die Landtagswahlen vor drei Jahren: Damals hatte 
die NRW-CDU versprochen, neue Lehrer einzustellen und insgesamt das 
Schulsystem zu reformieren. Heute wissen wir: Es waren keine leeren 
Worte. Trotz zum Teil massiver Kritik hat Barbara Sommer ihren Weg 
kontinuierlich fortgesetzt.
Sommer setzte da an, wo es nötig war: Schulleiter sind dem 
politischen Anspruch nach als Führungskräfte verantwortlich für das 
Gelingen der pädagogischen und erzieherischen Arbeit. Das heißt im 
Klartext: Lehrer werden nicht nur gefördert und in ihren Rechten 
gestärkt (Stichwort »Eigenverantwortliche Schule«), sondern auch 
hinsichtlich ihrer eigenen Qualität kontrolliert.
Lehrern, aber vor allem Schülern ist - und das ist die Kehrseite der 
Medaille - in den vergangenen drei Jahren viel zugemutet worden. 
Barbara Sommer hat bei ihren Reformen den Turbo eingeschaltet. Das 
hatte viele Vor-, aber auch Nachteile. Nicht zuletzt bei der 
Einführung des Turbo-Abiturs geriet der Schul-Motor an manchen 
Stellen ins Stottern. Frau Sommer hat aufs Gaspedal getreten, aber 
der Rennwagen war manchmal nicht in der Lage, so schnell zu fahren, 
wie die Frau am Steuer es wollte. Die Suppe auslöffeln müssen leider 
die Schüler, die von Sommers Kritikern als Versuchskaninchen 
bezeichnet werden.
Aber eine Alternative gibt es nicht. Alte und verkrustete Strukturen 
mussten aufgebrochen werden. Dass es an manchen Stellen angesichts 
derartiger Reformanstrengungen noch nicht rund läuft, ist ganz 
normal.
Die schulpolitischen Weichen sind gestellt. Es ist gut, dass die 
Ministerin betont hat, sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen zu 
wollen. Wörtlich sagte sie: »Der Spitzenplatz ist uns ein Anreiz, 
nicht nachzulassen«. Daran wird sich Frau Sommer messen lassen 
müssen. Denn das nächste Zeugnis kommt bestimmt.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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