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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Bundespräsident

Bielefeld (ots)

Beim Pokerspiel gibt es eine Sonderregel: Wer
nur noch wenige Chips besitzt und nicht mehr mitbieten kann, darf 
»All in« setzen. Der Spieler kann zwar im weiteren Verlauf der Partie
seinen Einsatz dann weder zurückziehen noch erhöhen, dafür bleibt 
sein Blatt im Spiel. Hat er die besten Karten, streicht er auf diese 
Weise doch noch einen Gutteil des Gewinns ein.
»All in« - das ist offenbar auch die Strategie der SPD beim Poker um 
das Amt des Bundespräsidenten. Zwar will sich Parteichef Kurt Beck 
erst am Montag in die Karten schauen lassen, doch sind die Ansagen, 
die nicht mehr nur vom linken Flügel ertönen, unüberhörbar: Die SPD, 
der zuletzt kein politischer Stich mehr gelang, setzt auf Gesine 
Schwan als Trumpfkarte.
Offenbar rechnen sich die Sozialdemokraten tatsächlich Chancen aus, 
in der Bundesversammlung die renommierte Präsidentin der 
Europa-Universität Viadrina gegen den populären und nicht minder 
renommierten Amtsinhaber Horst Köhler durchzusetzen. Schon heute 
haben Union und FDP in der Wahlversammlung nur eine minimale 
Mehrheit, die nach der Landtagswahl in Bayern kippen könnte.
Doch dieses Spiel ist hoch riskant. Denn Kurt Beck braucht dazu die 
Unterstützung sowohl der Linken als auch der Grünen. Die aber ist 
keineswegs sicher, wie sich unmittelbar nach Köhlers Ankündigung 
zeigte, für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Die Grünen
haben durchaus Sympathie für den früheren Direktor des 
Internationalen Währungsfonds, dem das Schicksal der dritten Welt so 
sehr am Herzen liegt. Eine Enthaltung der Grünen reichte aus, und 
Beck hätte verloren.
Und die Linke? Die steht schon jetzt als Gewinner fest. Entweder 
presst sie der SPD für eine Unterstützung Schwans einen hohen 
politischen Preis ab, oder aber sie lässt die SPD-Kandidatin 
scheitern. Vormann Oskar Lafontaine versteht etwas vom Pokern: Die 
Linkspartei könnte gar einen eigenen Kandidaten aufstellen.
Doch nicht nur zur Linken, auch zur Rechten beobachten die Mitspieler
Becks Spielzüge genau. Poker ist eben kein Mannschaftsspiel. Hier 
sucht ein jeder ausschließlich sein eigenes Glück. Die Union aber 
wird sich nicht übervorteilen lassen. »Das, was sich jetzt anbahnt, 
ist alles nicht hilfreich«, ahnt CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla 
und meint: Die Union könnte aus der großen Koalition aussteigen und 
die Karten neu mischen lassen. Das könnte schnell gehen. Vielleicht 
wird ein neuer Bundestag ja noch gewählt, bevor über die Besetzung 
des Bundespräsidentenamtes zu entscheiden ist.
P.S.: Poker ist ein Spiel, dem der Geruch von Halbwelt anhaftet. Der 
Bundespräsident - oder die Bundespräsidentin - aber sind die ersten 
Repräsentanten des Staates. Sie wachen über die Demokratie und geben 
Deutschland international ein Gesicht. Es sollte andere Wege geben, 
über die Besetzung des höchstens Amts im Staate zu entscheiden, als 
politisches Glücksspiel.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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