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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Rentenvorschlag von Jürgen Rüttgers

Bielefeld (ots)

Jürgen Rüttgers tritt wieder in seiner
Paraderolle auf: Als guter Mensch aus Düsseldorf streitet 
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident für die Armen und Gebeutelten.
Jüngster Coup des stellvertretenden CDU-Vorsitzenden: die höhere 
Rente für langjährige Geringverdiener.
Das Strickmuster ist bekannt. Es ist noch nicht lange her, da hat 
Rüttgers quasi im Alleingang durchgesetzt, dass über 55-Jährige 
wieder länger Arbeitslosengeld I bekommen. In einem Handstreich 
erster Güte hatte er seine Partei eingewickelt und sogar die SPD das 
Fürchten gelehrt.
Darum sollte man jetzt noch nicht allzu viel darauf geben, dass die 
CDU-Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr 
Fraktionschef Volker Kauder die neuerliche Attacke aus Düsseldorf 
eiligst parierten. So schnell wird der mächtige NRW-Landesverband der
CDU nicht lockerlassen. Zu selbstbewusst gibt sich 
NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Rüttgers treuester Vasall in 
Sachen »soziale Gerechtigkeit«.
Was die SPD mit der Linken erlebt, erledigt das Gespann vom Rhein 
gleich parteiintern. Ein gefährlicher Kurs, bei dem sich Rüttgers 
nahezu ungeniert auf Kosten der Bundespartei als »Arbeiterführer« 
profiliert. Zu Recht sieht Norbert Röttgen, der Parlamentarische 
Geschäftsführer der Unionsfraktion, die »Wurzeln der 
Christdemokratie« berührt.
 Beinahe schon ein Treppenwitz der Parteigeschichte ist, dass sich 
Rüttgers und Laumann auf einen Beschluss des Leipziger Parteitages 
2003 beziehen. Leipzig 2003? Richtig, das war jener Parteitag, bei 
dem die CDU so klar wie nie wieder danach für die Freiheit und 
Verantwortung des Einzelnen und gegen noch mehr Staatsdirigismus 
plädiert hatte. Ein Konzept, von dem das enttäuschende 
Bundestagswahlergebnis 2005 so gut wie nichts übrig ließ.
Geradezu skurril mutet es an, dass Rüttgers mit seinem Vorschlag in 
einer Debatte aufsattelt, die einen ohnehin den Atem anhalten lässt. 
Längst macht das gleichermaßen böse wie falsche Wort vom 
»Generationenkrieg« die Runde. Und fast hat man den Eindruck, diese 
Debatte komme der Politik gut zupass, weil sie von eigenen 
Versäumnissen und Verfehlungen der zurückliegenden Jahre und 
Jahrzehnte ablenkt.
Tröstlich ist nur, dass die versammelte Politikerschar die Rechnung 
ohne den Wirt, sprich: ohne den Bürger gemacht hat. Jeder weiß, dass 
das Aussetzen des Riesterfaktors reiner Populismus ist. Es geht nicht
um die »angemessene Beteiligung der Rentner am Aufschwung«, sondern 
um 20 Millionen Wählerstimmen. Ganz zu schweigen davon, dass die 1,1 
Prozent mehr in diesem und die etwa 1,9 Prozent mehr im nächsten Jahr
dem einzelnen Rentner herzlich wenig nützen, seine Kinder und 
Kindeskinder aber viel kosten werden.
So kann man eine Rentenerhöhung dieser Gestalt einen Fehler und den 
Rüttgers-Plan einen noch größeren Fehler nennen. Fatal und unehrlich 
ist, dass Rüttgers nicht sagt, woher er das zusätzliche Geld nehmen 
will. Vielleicht, weil er sonst nicht mehr der gute Mensch aus 
Düsseldorf wäre.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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