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Neue Westfälische (Bielefeld): Aufarbeitung des Terrors Die Sorgen der Attentäter Ingo Kalischek

Bielefeld (ots) - Terror verändert uns. Auch dann, wenn er uns nicht unmittelbar betrifft. Die schrecklichen Bilder aus Europas Hauptstädten machen uns nervös und unsicher. Und das zeigt sich auch an unseren Reaktionen: Sobald irgendwo auf der Welt - wie am Wochenende in Hamburg - ein frustrierter Mensch die Kontrolle verliert und zum Messer oder zur Pistole greift, drängt sich uns reflexartig die Frage auf: War es der IS? Beruft sich der Täter auf den Islam? Tötete er für seinen Glauben? Haben die Behörden versagt? Damit geht die Gefahr einher, dass wir die Ausgangsprobleme dieser Menschen aus dem Blick verlieren und stattdessen immer öfter die angeblichen religiösen Absichten und Ideologien der Täter in den Mittelpunkt stellen. Das ist unzureichend. Die Attentäter missbrauchen die Religion als Deckmantel, um ihre Anschlagspläne zu rechtfertigen. Die haben aber nichts mit der wahren Auslegung der Religion zu tun. Die Diskussionen führen ab und an dazu, dass wir vergessen, warum sich diese Menschen radikalisiert haben. Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht nicht darum, die Täter für ihr Verhalten zu entschuldigen. Aber wollen wir wirklich wissen, warum sie so frustriert sind? Warum sie so anfällig sind für extremes Gedankengut? Ein Großteil von ihnen ist verzweifelt - und das hat Gründe: Sie fühlen sich ausgegrenzt, diskriminiert, überflüssig und nutzlos. Auch damit müssen wir uns auseinandersetzen, wenn wir den Terror aufarbeiten wollen. Eine Diskussion über Voll-Überwachung und Abschiebehaft allein reicht nicht aus.

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