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Neue Westfälische (Bielefeld): Parlamentswahlen in Frankreich Macrons goldenes Händchen Peter Heusch, Paris

Bielefeld (ots) - Ist der Mann wirklich so verdammt gut oder hat er bloß unglaublich viel Glück? Bei Emmanuel Macrons ersten und mit traumwandlerischer Sicherheit absolvierten Schritten als Frankreichs neuem Staatsoberhaupt sind den Medien in den letzten Wochen beinahe die Superlative ausgegangen. Sehr viel schärfer jedenfalls hätte sich der junge Präsident kaum von seinem Vorgänger abheben können. Während François Hollande so ziemlich alles zu Blei gerann, was er anfasste, scheint Macron das sprichwörtliche goldene Händchen zu haben. Dass der 39-Jährige mit Charme und Chuzpe gesegnet ist, hatte sich bereits vor seinem Einzug in den Elysée-Palast herumgesprochen. Doch dann ging es ja erst richtig los. Der Nonchalance, mit der Donald Trump das Pariser Klimaabkommen abservieren wollte, setzte der Newcomer ein in Ironie verpacktes "so nicht" entgegen. Waldimir Putin wurde regelrecht überfahren von der Mischung aus Herzlichkeit und inhaltlicher Härte, mit der ihn Macron im Schloss von Versailles empfing. Und auf dem G7-Gipfel in Sizilien trat der "französische Kennedy" auf, als wären solch hochkarätige Treffen für ihn längst Routine. Bestnoten für den Stil also. Und was ist mit den Inhalten? Auf die muss man noch ein wenig warten, da Macron mit dem Regieren ohne Parlamentsmehrheit noch gar nicht richtig anfangen kann. Schon deswegen war seine Charmeoffensive auf dem internationalen Parkett keineswegs frei von innenpolitischem Kalkül. "Ich kann Präsident", lautet die Botschaft an seine Landsleute. Und sie kam an. Deswegen werden sie ihm nun auch eine absolute Regierungsmehrheit einräumen. Es stimmt: Bislang hat Macron alles goldrichtig gemacht. Aber er hat in der Tat auch jede Menge Glück gehabt. Hollandes Verzicht auf eine zweite Amtszeit etwa oder der Umstand, dass seine schärfsten Präsidentschaftsrivalen, der konservative Spitzenkandidat François Fillon und die Rechtsextremistin Marin Le Pen, in Affären verwickelt wurden. Eine ungleich größere Rolle spielte aber die Politikverdrossenheit der Franzosen und ihre Hoffnung, dass mit Macron die Erneuerung im Land endlich möglich werden könnte. Macron mag ein Glückspilz sein, vor allem aber verfolgt er die richtige Strategie. Von Beginn an ging es ihm darum, den Franzosen neue Zuversicht zu vermitteln. Und diese Zuversicht hat sich eingestellt, weil vieles darauf hindeutet, dass Macron es mit der versprochenen Erneuerung ernst meint. Seine aus rechten wie linken Politikern gebildete Regierung war ein starkes Signal, ebenso die bunte Schar der Kandidaten, die seine Partei in den Parlamentswahlkampf schickte. Über die Kür des Stils hinaus hat der junge Präsident nicht die Pflicht vergessen und sofort begonnen zu liefern.

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