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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar VW-Chef Winterkorn tritt ab Der Weg ist frei für Aufräumarbeit MARTIN KRAUSE

Bielefeld (ots)

Alles andere als ein Rücktritt von Martin Winterkorn wäre wohl nirgends in der Welt verstanden worden. Er trägt die Verantwortung für Unerhörtes. Seit Tagen wird viel darum herumgeredet, womit wir es zu tun haben: Geht es um kleine Tricks? Enttäuschtes Vertrauen? Oder um den Ruf des Konzerns? Nein, es geht um jahrelangen vorsätzlichen Betrug. So schlicht und hart jedenfalls wird geurteilt werden außerhalb Deutschlands. Nur im Heimatland wird wegen der Bedeutung des Volkswagen-Konzerns mit seinen 600.000 Mitarbeitern immer auch besorgt Rücksicht genommen. Betrogen wurden mindestens 11 Millionen Autokäufer, ganze Staaten und ihre Behörden, die belastete Umwelt und am Ende auch die VW-Aktionäre. "Es tut mir unendlich leid", so versuchte Winterkorn sich zu entschuldigen. Seine Worte leuchten ein, denn Deutschlands bestbezahlter Manager, der jahrelang zweistellige Millionensummen kassierte, verliert seine Pfründe. Das tut ihm sicher leid. Sein Bedauern über Unregelmäßigkeiten und Manipulationen sowie die Entschuldigung klingen aber billig. Kaum glaubhaft ist, dass der Vorstand von den jahrelangen Betrügereien in seinem Haus nichts gewusst haben sollte. Der Verdacht liegt nahe, dass die technischen Abteilungen auf Anweisung oder zumindest mit Billigung des Managements gehandelt haben. Finanziell ist das Desaster kaum zu ermessen. Würden alle Käufer eines manipulierten VW-Autos auf Rückabwicklung klagen, könnten sie leicht 200 Milliarden Euro oder mehr verlangen. Das wäre unbezahlbar, ganz abgesehen von den drohenden Milliardenstrafen. Und was wäre, wenn auch die Käufer von Benzin-Autos, die 30 Prozent mehr Sprit saufen, als in den Prospekten versprochen wird, nun zu ihren Rechtsanwälten gingen, um den Autokonzern zu verklagen? Der eklatante Mehrverbrauch ist zwar heute ein offenes Geheimnis und wird auf unrealistische Testmethoden zurückgeführt. Die Mehrheit der Käufer aber weiß davon nichts, vertraut auf die Prospekte - und zahlt in einem Autoleben Tausende Euro drauf. Auch die Emissionen dürften dem erhöhten Treibstoffdurst entsprechend höher sein als behauptet. Die geschminkten Verbrauchswerte sind kein Problem, das nur VW betrifft. Auch andere Konzerne werben wohl mit falschen Zahlen - darüber wird noch zu sprechen sein. Aber die gefälschten Verbrauchswerte und die von VW manipulierten Emissionstests sind zwei Seiten einer Medaille. Es liegt auf der Hand, dass die Industrie nicht in der Lage ist, die Umweltauflagen einerseits und die Wünsche der Kundschaft nach immer schnelleren, schwereren und mit immer mehr Schnickschnack aufgemotzten Karossen andererseits unter einen Hut zu bringen. Das rechtfertigt nicht das Verhalten der Automanager, aber es erklärt es. Im größten Autokonzern der Welt ist nun der Weg frei für Aufräumarbeiten, die wohl branchenweit nötig sind. Es könnte Jahre dauern, die vom Kurs abgekommene Autoindustrie auf den richtigen Weg zu bringen.

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