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Neue Westfälische (Bielefeld): Hillary Clinton will US-Präsidentin werden Eine-Frau-Show Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Sie wäre die erste "Commanderin-in-Chief" im Oval Office. Und die erste Frau, die ihren Gatten im höchsten Staatsamt beerbt. Das ist das leitende Motiv einer Präsidentschaftskandidatur, wie sie Amerika noch nicht erlebt hat. Hillary Clinton verdient Respekt dafür. Und etwas Beileid zugleich. Den brutalen, absehbar sexistischen Schmutzwahlkampf, der sie in den nächsten 19 Monaten in einem politisch vergifteten Land erwartet, wird sie niemandem wünschen. Auch nicht ihren ärgsten Feinden. Bei den Republikanern drängeln sich die Möchtegernpräsidenten geradezu. Die Demokraten haben eine alternativlose Eine-Frau-Show gebucht. Jeder Schnitzer wirkt doppelt und dreifach nach. Hillary Clinton ist nicht deshalb verwundbar, weil sie als Senatorin in New York unauffällig blieb und als Außenministerin trotz nimmermüder Reiselust ohne erinnernswerten Erfolg. Sie ist verwundbar, weil sie seit bald 40 Jahren zur Standardmöblierung der US-Politik gehört. Ihre Glaubwürdigkeit, die tiefen Gräben zwischen den Parteien in Washington überbrücken zu können, ist überschaubar. Dazu kommt das Biologische. Bei Amtsantritt wäre sie 69. So alt, wie Ronald Reagan 1980 war. Bei aller kaum hoch genug zu schätzenden Weisheit des Alters: Von ihr frischen Wind zu erwarten ist kühn. Bis zum Wahltag im November 2016 wird sich Hillary Clinton außerdem nicht nur zu eigenen Fehlern und ein paar Jahren mit Obama erklären müssen, sondern auch für all das, was auf den Deckel ihres Mannes Bill geht. Das kann zum Bumerang werden. Hat Clinton eine griffige, menschennahe, mittige Botschaft, die inspiriert und Wähler aus vielen Lagern anspricht? Was will sie eigentlich mit Amerika anstellen? Noch klingt alles austauschbar und diffus. Der Mensch muss zum Vorschein kommen. Und dieser Mensch muss vertrauenswürdig sein. Und echt. Hillary Clinton gehört zu den am wenigsten authentischen Figuren in Washington. Das wahre Gesicht kennen nur wenige. Nur wenn ihr die Balance gelingt, dann kann es was werden mit dem unglaublichen Projekt, für das gestern der Startschuss fiel: nach dem ersten Schwarzen die erste Frau im Weißen Haus.

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