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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Islamistischer Terror Kreuzzüge sind überflüssig CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Unruhe, Gewalt, Terror, Bürgerkriege, Umstürze im Irak, im Sudan, in Syrien, Libyen, Nigeria, Somalia - die Liste ließe sich fortsetzen. Immer sind es islamistische Gruppen, die die Macht an sich reißen wollen, egal ob sie Boko Haram, ISIS oder sonst wie heißen. Im Westen könnte man schon Angst bekommen angesichts der Vielzahl von Krisenherden und Gewaltakten. Denn erstens produzieren solche Organisationen Angst und Schrecken vor Ort und gebären zweitens Terrorgruppen, die nach dem Vorbild von El Kaida auch in Europa und in den USA zuschlagen könnten. Der jüngste Verfassungsschutzbericht hat warnend darauf hingewiesen. Allerdings ist die Gefahr nicht so groß wie auf den ersten Blick zu vermuten. Bislang scheinen alle diese Gruppen für sich allein zu kämpfen, einen gemeinsamen Masterplan oder einen Kopf, der ihre Ziele bündeln könnte, gibt es nicht. Erst dann würde es wirklich gefährlich. Die Erfolge der Terrorgruppen dürfen nicht überbewertet werden. Sie sind nicht auf die enorme Stärke von ISIS und Co. zurückzuführen, sondern auf die Schwäche ihrer Umgebung. Die Islamisten sind nicht Ursache, sie sind die Folge der zusammenbrechenden korrupten Regime, die staatliche Ordnungen nicht mehr garantieren können. Dort, wo sie Erfolge feiern, existieren praktisch keine Staaten mehr, keine Regeln und keine Autoritäten, die die Einhaltung der Regeln sicherstellen könnten oder die wenigstens stark genug und willens wären, einen Dialog zu organisieren. Die Islamisten stoßen überall in ein Vakuum. Das ist die einzige Gemeinsamkeit all dieser Krisenherde. Bei einigen Gruppen vielleicht noch eine zweite: die Hoffnung auf ein Kalifat, einem islamischen Großreich, das nach jahrhundertelangem Siechtum in Folge des Ersten Weltkrieges untergegangen ist. Allerdings hat auch der Westen keinen Masterplan, hat ihn nie gehabt. Er ist darüber hinaus nicht viel einiger als die Islamisten. Der Unterschied besteht immerhin in existierenden Institutionen wie EU und NATO. Aber nicht mal Europa ist sich aufgrund historischer Erfahrungen und unterschiedlicher aktueller Interessen einig. Die USA denken und agieren noch mal anders. Die Bereitschaft zu einem langen Atem hat man weder diesseits noch jenseits des Atlantiks. Der aber ist erforderlich, wenn man militärisch eingreift und wirklich etwas Positives bewirken will - den Aufbau eines funktionierenden Staates, in dem die Interessen aller Bevölkerungsteile berücksichtigt werden. Auf dem Balkan ist es nur deshalb immer noch ruhig, weil dort immer noch Truppen stationiert sind. Den Irak haben Amerikaner und Europäer zuerst ohne jeden Grund verlogen überfallen und dann hastig allein gelassen. Jetzt wundern sie sich, dass aufgrund haarsträubender Politik der Regierung Maliki die ISIS-Banden für Unruhe sorgen und damit zunächst Erfolg haben. Um nur ein Beispiel zu nennen. Libyen wäre ein anderes. Solange es der westlichen Gemeinschaft nicht gelingt, sich abzustimmen, gemeinsam vorzugehen auch im Sinne der Menschen vor Ort, dabei eigene Interessen auch mal hinten anzustellen, nachhaltig zu agieren, politische Staatenbildung zu betreiben, wird es die oben beschriebenen Szenarien weiter geben. Es ist kein neuer Kreuzzug nötig.

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