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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: DGB-Chef Hoffmanns erste Grundsatzrede Zurück zur Kernkompetenz Alexandra Jacobson, Berlin

Bielefeld (ots) - Reiner Hoffmann durfte als neuer DGB-Chef sogleich eine wichtige Erfahrung machen: Für den Vorsitzenden des Dachverbands wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Wenn sich große Einzelgewerkschaften wie etwa Verdi und die IG Metall querlegen, ist der Chef machtlos. Hoffmanns Versuch, die Tür für ein Gesetz zur Tarifeinheit offen zu halten, scheiterte. Zu tief war die Angst der Delegierten, sich mit Einschnitten in das Streikrecht und in die Koalitionsfreiheit ins eigene Fleisch zu schneiden. Für die Arbeitgeber ist das eine schlechte Nachricht, denn vor allem sie hatten sich für eine Entmachtung der kleinen Spartengewerkschaften zum Beispiel bei den Piloten oder Lokführern eingesetzt. Die Große Koalition muss nun überlegen, ob sie noch ein Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg bringen will. Doch von dieser Kontroverse abgesehen war die Harmonie groß bei diesem Parlament der Arbeit. Die Gewerkschafter sind mit sich und der Welt zufriedener als sonst. Der neue Vorsitzende Hoffmann zerstreute in seiner Grundsatzrede allerdings den Eindruck, es gebe nun nichts mehr zu tun. Eine lange Liste von Vorhaben zählte er auf. Der Mann hat sich viel vorgenommen. Im Zen-trum stehen für ihn die Arbeitsbedingungen im Betrieb. Mit der "Neuen Ordnung der Arbeit" wollen sich die Gewerkschaften auf ihre Kernkompetenz besinnen. Die Schwerpunkte überzeugen: Betriebsräte sollen auch bei Leiharbeit und Werkverträgen mitreden dürfen, die Mitbestimmung soll auf allen Ebenen gestärkt und die Humanisierung der Arbeit vorangetrieben werden. Hoffmann ist nicht so emotional wie sein Vorgänger Sommer. Er spricht eher den Kopf als das Herz an. Leidenschaft zeigte er für das vereinte Europa, das er nicht den Rechtspopulisten überlassen will. Manche Dinge muss der Neue erst lernen. So gehört es zu den Errungenschaften von Michael Sommer, dass er den DGB parteipolitisch unabhängig aufgestellt hat. Diese überparteiliche Perspektive hat Hoffmann noch nicht verinnerlicht. Dass er einzig die SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles aus dem Kabinett Merkel lobend erwähnte, wird unter der Berliner Käseglocke kritisch registriert. Aber das war vermutlich nur ein Anfängerfehler.

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