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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar FDP-Dreikönigstreffen Die Probleme bleiben ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN

Bielefeld (ots) - Der Redeauftritt von FDP-Parteichef Guido Westerwelle beim Stuttgarter Dreikönigstreffen hat nicht für den ersehnten Befreiungsschlag gesorgt. Nicht für die Partei und auch nicht für den Vorsitzenden selbst. Die alten Probleme bleiben bestehen. Sicher, die Erwartungen an diesen Auftritt waren völlig unrealistisch. Auch ist die Dauerkritik nicht spurlos an Westerwelle vorbei gegangen. Da wurde er schließlich mit Erich Honecker verglichen und als "Klotz am Bein" bezeichnet. Dabei ist Westerwelle an der Misere der FDP nicht alleine schuld. Aber seine Unfähigkeit zur Selbstkritik ist trotzdem ärgerlich. Er sieht sich lieber als verfolgte Unschuld. Alle sind gegen ihn, die Umfrageinstitute, die Journalisten und vermutlich auch viele Parteifreunde. Diese Opferrolle ist absolut unangemessen. Westerwelle macht keineswegs alles falsch. Ganz im Gegenteil. Er hat bisher zum Beispiel ein Abdriften der FDP in den Rechtspopulismus verhindert. Das ist eine Leistung. Sein grundsätzliches Problem liegt woanders. Guido Westerwelle ist von seiner Natur her ein Oppositionspolitiker. Wenn er attackieren kann, wirkt er authentisch. Die Rolle des staatstragenden Außenministers fällt ihm dagegen schwer. In dem Regierungs-Korsett wirkt er bis heute deplatziert. Außerdem muss es Westerwelle jetzt ertragen, dass es in der FDP einen Politiker gibt, der beides auf hohem Niveau vereinen kann: Generalsekretär Christian Lindner ist sowohl in der Abteilung Attacke glänzend als auch im staatstragenden Fach. Außerdem ist Lindner ein analytischer Kopf. Und die FDP braucht dringend eine intellektuelle Frischzellenkur. Wenn Guido Westerwelle klug ist, moderiert er selbst den Übergang zum Nachfolger Lindner. Dass er den Generalsekretär öffentlich lobt, zeugt von Größe. Jetzt muss Westerwelle nur noch lernen loszulassen.

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