Neue Westfälische (Bielefeld)

Neue Westfälische (Bielefeld): Neue Westfälische, Bielefeld: KOMMENTAR Arminia-Rettung Unprofessionell CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Bei wichtigen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen ist es immer dasselbe. Bei Tarifverhandlungen, Investitionsentscheidungen und manchmal sogar bei der Frage von Krieg und Frieden sind die letzten Minuten vor Ablauf einer Frist die wichtigsten. Wie im Zylinder eines Otto-Motors muss das Benzin-Gas-Gemisch unter höchstem Druck verdichtet sein, bevor der Zündfunke die Explosion auslöst. Erst dann entscheidet es sich, ob die Energie des herabrauschenden Kolbens für Vortrieb sorgt oder ob der Wagen explodiert und stehenbleibt. So ist es auch bei der Rettung des völlig maroden Fußballklubs Arminia Bielefeld durch die Stadt. Die Frist der Deutschen Fußball-Liga (DFL) läuft bis zum 2. Juni. Da kann niemand erwarten, dass sechs Tage zuvor, im Hauptausschuss am vergangenen Donnerstag, die endgültige Entscheidung feststeht. Und auch das peinliche Gewürge gestern im Stadtrat ist nicht das letzte Wort. Bis Mittwoch ist noch Zeit, und die Chancen für eine Rettung des Klubs sind nicht schlecht. Zum Glück. Denn Arminia Bielefeld gehört zu dieser Stadt wie der Leineweber und die Sparrenburg. Bei allen berechtigten Gegenargumenten. Punkt. Gemeinhin werden solche Verhandlungen "Pokern" genannt. Alle Seiten sind bestrebt, möglichst viel zu gewinnen, in diesem Fall möglichst wenig zu bezahlen. Und sollten die Stadtväter tatsächlich mit 500.000 Euro statt 4,8 Millionen Euro Finanzspritze davonkommen, werden sie sich hinstellen und ihr Verhandlungsgeschick rühmen. Doch was sich in den vergangenen Tagen abgespielt hat, ist kein zielgerichtetes Verhandeln oder kühles Pokern gewesen, sondern das hilflose Feilschen einer Laienspielerschar. Auf allen Seiten. Die aktuellen Arminia-Verantwortlichen haben nach allem, was bekannt ist, reichlich dünne Unterlagen geliefert und wollten sich nach alter Väter Sitte wohl wieder durchwursteln. Und die überforderten Stadtväter parierten das mit der Forderung, dass Wolfgang Brinkmann als Geschäftsführer der Stadtwerke nicht gleichzeitig Arminen-Präsident werden könne. Das ist sachlich zwar vollkommen richtig - zumal Brinkmann seit Jahren im Aufsichtsrat des Vereines sitzt und lange vorher auf die miese Finanzlage hätte aufmerksam machen müssen. Aber in Verbindung mit mickerigen 500.000 Euro, nachdem das Land NRW schon eingesprungen war, ist das nur noch peinlich. Forderungen stellen kann nur, wer finanziell in die Verantwortung geht. Binnen 24 Stunden war die Last der Stadt von 4,8 (Kosten pro Jahr 75.000 Euro) auf rund 1,8 Millionen zusammengeschnurrt. Die Chance hätte der Rat ergreifen müssen, wäre billig davongekommen und hätte trotzdem Forderungen erheben können. Wenn sich noch jemand findet, der diesen Klub rettet, muss das endlich, endlich der Anlass für einen Neuanfang sein. Ohne übermäßige Machtfülle, ohne Doppelfunktionen, Mauschelei und Durchstechereien. Die alte Dame Arminia hat es verdient, denn es geht nicht nur um die Profimannschaft.

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