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Neue Westfälische: Prozess gegen Karadzic beginnt Spielkarten abgegeben JOHANN VOLLMER

    Bielefeld (ots) - Als freundlicher Wunderheiler mit weißem Bart war Radovan Karadzic am Ende frei in Belgrad herumgelaufen. Der serbische Kriegsverbrecher lebte als unbescholtener, wohlbehüteter Nachbar seine bürgerlichen Existenz, als habe es das Massaker von Srebrenica nie gegeben. Den Mord an 8.000 bosnische Serben im Jahr 1995 hatte Karadzic angeordnet. Davon ist das UN-Kriegsverbrechertribunal überzeugt. Mit Brutalität und erschreckender Kaltblütigkeit führte der heute 64-Jährige seine Untergebenen. Der studierte Psychiater hat Macht stets als Macht über Seelen verstanden und benutzt. Emotionen und Ressentiments spielte er für seine Zwecke aus. Bis zuletzt glaubte er, die Fäden in der Hand zu haben. Er hat sich getäuscht. Dass der Prozess gegen Karadzic zu Stande kommt, ist nur der Zähigkeit der Staatsanwaltschaft beim UN-Kriegsverbrechertribunal zu verdanken. Die Chefankläger fanden sich auch nach Jahren erfolgloser Suche nicht damit ab, dass der Serbe wie die meisten Diktatoren in der Geschichte unbehelligt im Bett sterben konnte. Dass er zur Verantwortung gezogen wird, ist eine späte Genugtuung.

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