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Neue Westfälische: Müntefering greift Merkel an Das SPD-Dilemma THOMAS SEIM

    Bielefeld (ots) - Die Zeit wird knapp bis zur Bundestagswahl. Die Kontrahenten wirken umso nervöser, je weniger Bewegung in Wahlumfragen kommt. Das ist vermutlich der Grund dafür, dass SPD-Chef Müntefering nun Bundeskanzlerin Merkel persönlich angreift. Es ist starker Tobak, den Müntefering uns da zu rauchen gibt. Der SPD-Chef unterstellt der Kanzlerin gewissenlosen Egoismus, Karrieresucht und Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Arbeitslosen. SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier legt mit dem Vorwurf der Unehrlichkeit gegen Merkel nach. Es muss ernst stehen um die Stimmung der SPD 41 Tage vor der Wahl. Warum sonst vollziehen sie diesen Strategiewechsel weg vom Inhaltswahlkampf zur persönlichen Merkel-Attacke? 64 Prozent der Deutschen sagen, man wisse nicht, was die Union eigentlich wolle. Aber 62 Prozent finden Merkel toll. Das ist das unauflösliche Dilemma der Sozialdemokraten. Schon seit mindestens zwei Jahren streitet die SPD-Spitze intern über die Frage, ob der persönliche Angriff auf Merkel im Wahlkampf nutzen kann oder eher schaden wird. Man muss für die SPD Letzteres fürchten. Dabei spielt weniger eine Rolle, dass sich die CDU-Granden wie Roland Koch um ihre Kanzlerin scharen. Im Gegenteil: Dass jemand wie Koch, der 1999 in Hessen einen Wahlkampf mit unanständigen, ausländerfeindlichen Postkartenaktionen führte und gewann, nun seinerseits SPD-Chef Müntefering "unanständig" nennt, ist nicht mehr als eine geschichtsvergessene Unverschämtheit. Aber wenn die Abstände in den Persönlichkeitswerten der Umfragen zwischen Merkel und Steinmeier so groß sind, wie sie sind, dann droht ein Angriff auf die derzeit beliebteste Politikerin in Deutschland zu verpuffen. Mehr noch: Er kann nach hinten losgehen.

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