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Ostsee-Zeitung: Kriminalität/Missbrauch/Kirchen/Papst

    Rostock (ots) - Sehr lange haben die Katholiken - aber beileibe nicht nur sie - auf eine öffentliche Reaktion von Papst Benedikt XVI. auf die Welle bekannt gewordener und erschütternder Missbrauchsfälle unter Kirchendächern seiner Heimat gewartet. Sein Hirtenbrief ist aber explizit an die irischen Katholiken gerichtet, mit keinem Wort streift er die skandalösen Vorfälle in Deutschland. Das ist beschämend. Auch wenn deutsche Bischöfe eilfertig versicherten, das Papstwort gelte selbstverständlich auch für die Vorfälle hierzulande - warum sagt er es dann nicht? Benedikts beredtes Schweigen kann nur einen Grund haben: Indem er sich fallweise des Missbrauchs von Kindern durch Priester oder Ordensleute in verschiedenen Ländern annimmt (und ihn auch verurteilt), erspart er sich und seiner Kirche den Blick aufs Wesentliche. Darauf, dass menschenferne Sexuallehren, unangreifbare Hierarchien und eine Politik des Totschweigens den Massenmissbrauch in kirchlichen Heimen, Schulen oder Seminaren erst möglich machten und machen. Der Papst bedauert und bittet um Verzeihung, aber er rüttelt nicht im Geringsten an diesen Strukturen. Dies wäre wohl auch ein Wunder - nicht zuletzt haben diese Strukturen ihn zum Stellvertreter Christi auf Erden gemacht.

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