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17.02.2003 – 18:59

PHOENIX

Phoenix-Programmhinweis
Sonntag, 16. März 2003, 9 Uhr
PHOENIX-Erstausstrahlung
Kreuz und Hakenkreuz
Der Vatikan öffnet sein Geheimarchiv

    Bonn (ots)


    
    Film von Werner Kaltefleiter
    
    "Heiliger Vater, als Kind des jüdischen Volkes, das durch Gottes
Gnade seit 11 Jahren ein Kind der katholischen Kirche ist, wage ich
es, vor dem Vater der Christenheit auszusprechen, was Millionen von
Deutschen bedrückt." Mit diesen Sätzen beginnt ein Brief, den die
Karmelitin Edith Stein, eine Katholikin jüdischer Herkunft,  im April
1933 an Papst Pius XI. geschrieben hat, in dem sie die Verfolgung der
Juden in Deutschland beklagt. Es war das Jahr, in dem Hitler "die
Macht übernahm", die ersten 50 Konzentrationslager bereit standen und
mit dem Boykott jüdischer Geschäfte, Waren, Ärzte, Anwälte und Lehrer
die organisierte Verfolgung ihren Anfang nahm: am 1. April, "Schlag
10". Einen Tag später eröffnete Papst Pius XI. in Rom ein
außerordentliches Heiliges Jahr zur Erinnerung an den Tod des
Erlösers - an dessen Kreuzigung für nicht wenige Katholiken und
Protestanten pauschal "die Juden" schuld waren.
    
    Edith Stein, als Jüdin in Breslau geboren, 1922 zum katholischen
Glauben konvertiert im Oktober 1933 unter dem Ordensnamen Theresia
Benedicta a Cruce - in den Kölner Karmel eingetreten, richtete ihr
Schreiben an das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche als
damalige Dozentin am Deutschen Institut für wissenschaftliche
Pädagogik "Collegium Marianum" in Münster. Den mit der
Schreibmaschine verfassten, versiegelten Brief leitete der damalige
Erzabt der Benediktiner-Abtei Beuron Raphael Walzer während eines
Besuchs im Vatikan mit einem Begleitschreiben, datiert auf den 12.
April 1933, an den Papst weiter. Edith Stein beschreibt in ihrem
Brief einleitend die Ausschreitungen gegen die Juden und bedauert das
Schweigen der Kirche zu diesen Vorgängen. Die Verantwortung falle
auch auf die, die dazu schweigen. Mit diesem Schweigen sei auf die
Dauer der Frieden mit der gegenwärtigen deutschen Regierung nicht zu
erkaufen.
    
    Der Brief galt nach dem Krieg zunächst als nicht auffindbar, wurde
dann aber "entdeckt"  und von den vatikanischen Behörden bis heute
unter Verschluss gehalten. Erst vor kurzem hat das Vatikanische
Geheimarchiv das Schriftstück veröffentlicht und dem ZDF-Redakteur
Werner Kaltefleiter durch den Präfekten des Geheimarchivs, dem
Barnabiten-Pater Sergio B. Pagano vorgelegt und erläutert. Die
Aufhebung der Sperrfrist, die bei Personen im allgemeinen 70 Jahre
nach deren Tod beträgt, erfolgte im Rahmen der Öffnung eines Teils
der Archivbestände aus der Regierungszeit von Papst Pius XI., also
von 1922 bis 1939.
    
    In der PHOENIX-Produktion Kreuz und Hakenkreuz zeigt Werner
Kaltefleiter den Originalbrief Edith Steins mit den Erläuterung von
Pater Pagano und lässt exklusiv den deutschen Jesuitenpater Peter
Gumpel zu Wort kommen. Der deutsche Ordensmann bearbeitet als
"Relator", als leitender Untersuchungsrichter, die Unterlagen in dem
kirchenrechtlichen Verfahren, das mit dem Ziel geführt wird, den
Nachfolger Pius XI., Papst Pius XII. selig- und in einem zweiten
Schritt heilig zu sprechen. In dem Interview macht Gumpel deutlich,
wie sehr der Pacelli-Papst den Diktator Adolf Hitler abgelehnt habe.
So habe Pius den getauften Katholiken Hitler zwar nicht
exkommuniziert, wohl aber wiederholt einen Exorzismus an ihm
vollzogen, weil er überzeugt war: "Dieser Mann ist vom Teufel
besessen". Dies geschah ebenso wenig öffentlich, wie sich Pius
grundsätzlich mit lautstarken Protesten gegenüber der Reichsregierung
zurückgehalten hat - "ad maiora mala vitanda" wie er 1943 an den
Bischof von Berlin schrieb, d.h. "um Schlimmeres zu verhüten". Er
befürchtete, dass die Nazis solche Interventionen noch härter
beantworten würden. Auch äußert sich Pater Gumpel zu dem Vorwurf, der
Pacelli-Papst sei ein dezidierter Antisemit gewesen, woraus seine
schärfsten Kritiker schließen, er habe zur Verfolgung und der
Vernichtung der Juden geschwiegen, wie  dies Rolf Hochhuth zur
Kernaussage seines Bühnenstücks  "Der Stellvertreter" macht, das vor
40 Jahren in Berlin uraufgeführt wurde.
    
    
ots Originaltext: Phoenix
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de


Rückfragen:  
PHOENIX Kommunikation,
Ingo Firley,
Telefon 0228/9584 193, Fax 0228/9584 198

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