Elektrische Insektenvernichter und Stichheiler sicher nutzen
Berlin (ots)
Stechmücken haben im Sommer Hochsaison und können Krankheiten übertragen. Leichte Stromschläge vermeiden und Brandgefahr senken. Der TÜV-Verband erklärt, worauf es bei elektrischen Insektenvernichtern und Stichheilern ankommt.
Ein kurzes Summen, ein Stich und schon beginnt es zu jucken: Stechmücken können im Sommer schnell zur Plage werden. Dabei kann es nicht nur beim Juckreiz bleiben. Die heimische Hausmücke kann in seltenen Fällen das gefährliche West-Nil-Virus übertragen und die aggressive Tigermücke auch tagsüber zustechen. Nicht zuletzt stellen einfache Mückenstiche ein Gesundheitsrisiko dar, wenn sie aufgekratzt werden und sich die Wunde entzündet. Umso wichtiger ist ein effektiver Schutz. Neben Anti-Mücken-Sprays für die Haut kommen dabei mechanische Schutzmaßnahmen wie Fliegengitter und immer häufiger auch elektrische Geräte zum Einsatz. Das Angebot reicht von UV-Insektenlampen über elektrische Fliegenklatschen bis hin zu Stichheilern wie Wärmestiften. "Verbraucher sollten beim Kauf nicht nur auf die versprochene Wirkung achten, sondern auch auf die technische Sicherheit der Geräte", sagt Dr. Hermann Dinkler, Experte für Brand- und Explosionsschutz beim TÜV-Verband. "Bei falscher Anwendung oder mangelhafter Verarbeitung können unter anderem Verbrennungen, Überhitzung oder Stromschläge auftreten." Der TÜV-Verband erklärt, worauf Verbraucher:innen beim Kauf und bei der Nutzung elektrischer Geräte zur Mückenabwehr und Stichbehandlung achten sollten.
Mückenjagd mit elektrischer Fliegenklatsche
Insektenlampen locken fliegende Insekten mit UV-Licht an. Im Inneren des Geräts befindet sich ein Hochspannungsgitter, das je nach Ausführung mit rund 1.000 bis 3.000 Volt arbeitet. Berührt ein Insekt gleichzeitig zwei unterschiedlich geladene Drähte, fließt ein kurzer Stromimpuls, der das Tier tötet. "Wer sich mit einer UV-Insektenlampe gezielt vor Stechmücken schützen möchte, sollte allerdings keine zu hohen Erwartungen haben: Stechmücken werden von UV-Licht nur begrenzt angezogen", sagt Dinkler. Die elektrische Fliegenklatsche, die einem Tennisschläger ähnelt, funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Anders als bei UV-Insektenlampen werden die Tiere jedoch nicht angelockt, sondern die Nutzer:innen gehen mit dem Gerät gezielt auf die Jagd. Beim Drücken des Schalters wird das Gitter unter Spannung gesetzt. Berührt ein Insekt die Drähte, wird es durch einen kurzen Stromimpuls getötet.
Bei der Nutzung sollten einige Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden. Wegen der hohen Spannung sollte niemals mit den Fingern in das Gitter gegriffen werden oder das Gitter mit Gegenständen in Berührung kommen. "Der Stromschlag ist für Nutzer zwar schmerzhaft, aber aufgrund der geringen Energiemenge nicht gefährlich", sagt Dinkler. Vor der Reinigung oder dem Entfernen festhängender Insekten sollten netzbetriebene Geräte aber dennoch vom Stromnetz getrennt und bei batteriebetriebenen Geräten die Batterien entnommen werden.
Nach außen muss das Hochspannungsgitter durch ein Schutzgitter abgeschirmt sein, damit Nutzer:innen nicht mit den spannungsführenden Teilen in Berührung kommen. Besonders in Haushalten mit Kindern oder Haustieren kommt es auf einen zuverlässigen Berührungsschutz an. "Das äußere Schutzgitter muss so stabil und engmaschig sein, dass weder kleine Kinderhände noch Tierpfoten an die spannungsführenden Teile gelangen können", sagt Dinkler. Fest installierte Geräte sollten sicher befestigt und so angebracht werden, dass Kinder und Tiere sie nicht erreichen oder umstoßen können. Stühle, Möbel oder andere Klettermöglichkeiten sollten nicht unmittelbar danebenstehen.
Beim Kauf auf geprüfte Sicherheit achten
Um mögliche Brandgefahren frühzeitig zu erkennen, sollten Nutzer die Geräte regelmäßig auf Schäden kontrollieren. "Das Gehäuse darf keine Risse, Verformungen oder losen Teile aufweisen. Ist das Gerät ungewöhnlich heiß, riecht es verschmort oder macht auffällige Geräusche, sollte es sofort ausgeschaltet und vom Stromnetz getrennt werden", sagt Dinkler. Die DIN EN IEC 60335-2-59 beschreibe, worauf es bei der Sicherheit elektrischer Insektenvernichter ankommt. Dazu zählten unter anderem der Berührungsschutz sowie die Beständigkeit gegen Hitze und Feuer. Beim Kauf sollten Verbraucher:innen zunächst auf die CE-Kennzeichnung achten. Damit erklärt der Hersteller, dass sein Produkt die geltenden europäischen Vorgaben erfüllt. Eine unabhängige Prüfung ist damit jedoch nicht verbunden. Mehr Orientierung bietet deshalb das GS-Zeichen für "Geprüfte Sicherheit": Das bedeutet, dass das Produkt von einer unabhängigen Prüfstelle wie den TÜV-Unternehmen sicherheitstechnisch geprüft wurde.
Einsatz elektrischer Insektenvernichter im Außenbereich verboten
Im Freien können Stechmücken besonders lästig sein. Elektrische Fliegenklatschen können dort grundsätzlich zum Einsatz kommen, sollten aber vor Regen und Feuchtigkeit geschützt und nach der Benutzung wieder im Trockenen aufbewahrt werden. UV-Insektenvernichter gehören dagegen nicht in den Garten, auf den Balkon oder die Terrasse. Auch wenn ein Gerät technisch für den Außenbereich geeignet ist, werden durch das UV-Licht auch nützliche oder geschützte Insekten in die Falle gelockt. Laut § 4 der Bundesartenschutzverordnung ist es verboten, besonders geschützte Tiere mit künstlichen Lichtquellen oder elektronischen Geräten anzulocken, zu fangen oder zu töten. Dinkler: "Trotz eines breiten Angebots im Online-Handel ist der Outdoor-Einsatz von elektrischen Insektenvernichtern aus guten Gründen untersagt."
Wenn es doch zum Stich kommt: Wärme gegen Juckreiz
Haben die kleinen Blutsauger trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zugestochen, können thermische Stichheiler Juckreiz und Schmerzen lindern. Bei einem Mückenstich reagiert der Körper auf das Sekret der Insekten mit der Ausschüttung von Histamin, das den Juckreiz auslöst. Die Geräte erhitzen die betroffene Hautstelle für wenige Sekunden und durchbrechen diesen Vorgang. Neben klassischen Wärmestiften gibt es inzwischen auch Smartphone-Adapter, die über den Ladeanschluss mit Strom versorgt und per App gesteuert werden. Je nach Modell können Behandlungsdauer oder Programm angepasst werden.
Beim Kauf lohnt sich ein Blick auf die Kennzeichnung. Das Symbol "MD" kennzeichnet den Stichheiler als Medizinprodukt. Es unterliegt dadurch strengen Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit. Eine vierstellige Nummer neben dem CE-Kennzeichen zeigt, dass zusätzlich eine unabhängige Stelle an der Bewertung des Produkts beteiligt war.
Viele Stichheiler arbeiten mit Temperaturen um 50 Grad Celsius. Da die Haut von Kindern besonders empfindlich ist, sollten Eltern beim Kauf auf einen speziellen Kinder- oder Sensitivmodus achten. Bei falscher oder zu langer Anwendung kann die Haut gereizt werden oder es können Verbrennungen entstehen. Die Geräte sollten deshalb nur so lange und so häufig angewendet werden, wie es die Gebrauchsanweisung vorsieht. "Wird ein Stichheiler ungewöhnlich heiß, schaltet er nicht wie vorgesehen ab oder weist Schäden am Gehäuse, an der Heizfläche, am Kabel oder am Anschluss auf, sollte er nicht weiterverwendet werden", sagt Dinkler. Wer einen Stichheiler mit zum See oder ins Freibad nimmt, sollte ihn trocken und geschützt transportieren. "Dringt Feuchtigkeit in das Gerät oder den Anschluss ein, können Kurzschlüsse, Fehlfunktionen oder Überhitzung die Folge sein", sagt Dinkler. Feucht gewordene Geräte sollten nicht weiterverwendet werden, sofern sie nicht ausdrücklich wasserfest sind.
TÜV-Verband Checkliste: Elektrische Produkte zur Mückenabwehr und Stichheilung sicher nutzen
- Auf die Kennzeichnung achten: Die Geräte sollten eine CE-Kennzeichnung tragen. Das GS-Zeichen weist auf eine zusätzliche unabhängige Sicherheitsprüfung hin. Bei Stichheilern außerdem auf das Symbol "MD" und eine vierstellige Nummer neben dem CE-Zeichen achten.
- Berührungsschutz prüfen: Das Hochspannungsgitter von Insektenvernichtern muss durch ein stabiles, engmaschiges Schutzgitter abgeschirmt sein.
- Auf Schäden achten: Geräte mit Rissen, Verformungen, losen Teilen, beschädigten Anschlüssen, verschmortem Geruch oder ungewöhnlicher Hitze nicht weiterverwenden.
- UV-Insektenvernichter nur im Innenbereich einsetzen: Der Einsatz im Garten, auf dem Balkon oder auf der Terrasse ist verboten.
- Geräte trocken halten: Nach Kontakt mit Wasser nicht nutzen, außer das Gerät ist ausdrücklich wasserfest.
- Sensitiv- oder Kindermodus von Stichheilern nutzen: Bei Kindern besonders vorsichtig sein, die Anwendungshinweise genau beachten und Stichheiler nur unter Aufsicht verwenden.
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
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