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17.09.2019 – 14:30

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BLOGPOST: #prba19 - Wenn letzte Wünsche in Erfüllung gehen

BLOGPOST:  #prba19 - Wenn letzte Wünsche in Erfüllung gehen
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Menschen in ihrer letzten Lebensphase Glück und Freude schenken - das ist die Mission der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes . Seit 2014 erfüllt das ehrenamtliche Projekt schwerstkranken Menschen einen besonderen Herzenswunsch und fährt sie noch einmal an ihren Lieblingsort. Einer von ihnen ist Silke. Sie schaffte es auf die Shortlist des PR-Bild Award . Hilke Vollmer , Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim ASB, erzählt uns die Geschichte hinter dem Motiv. Ein Gespräch über Ehrenamt, Leben und Tod sowie über Fingerspitzengefühl bei der Kommunikationsarbeit von NGOs.

news aktuell: "Silke will ans Meer" heißt das Bild, das Sie beim diesjährigen PR-Bild Award eingereicht haben. Was erzählt es?

Vollmer: Das Bild zeigt die 62-jährige Silke Möller am Nordsee-Strand von St. Peter Ording. Silke leidet an Brustkrebs im Endstadium. Die Ärzte geben ihr nur noch wenig Zeit. Wie viel genau, kann niemand sagen. Sicher ist nur: Es wird ihr letzter Sommer sein. Mit der Diagnose hat sie sich so gut es eben geht arrangiert, aber eine große Sehnsucht ist geblieben: Sie möchte noch einmal das Meer sehen, die salzige Luft riechen, die Meeresbrise auf der Haut spüren. Die gelernte Steuerfachangestellte war mit ihrer Familie früher viel am Meer und verbindet damit viele Erinnerungen an glückliche Momente. Für die schwerkranke Frau war das allein nicht mehr machbar, der Wunsch schien unerfüllbar. Eine Pflegerin von Silke kannte den Wunsch ihrer Patientin. Sie wusste, Silke würde es allein nicht schaffen und wandte sich daraufhin an den Wünschewagen des ASB. Nur wenige Tage später konnte die Reise starten. Am Strand angekommen mobilisierte Silke alle Reserven und steuerte vom Parkplatz ohne zu zögern auf das Meer zu. Als sie endlich am Meer war, kam sie aus dem Lächeln nicht mehr heraus. Silke Möller jauchzte, zog ihre Schuhe aus und stand für ein paar Minuten einfach nur im Wasser, den Blick in die Ferne gerichtet.

news aktuell: Auch mit einem zweiten Bild des Wünschewagens haben Sie es auf die Shortlist geschafft: "Einmal zuhause sein". Wo ist dieses Bild entstanden?

Vollmer: Dieses Bild zeigt den jüngsten Fahrgast des ASB-Wünschewagens: den neun Monate alten Leo. Leo lebt seit seiner Geburt auf der Frühgeborenen-Intensivstation in Erlangen. Er kam mit einem schweren Herzfehler und einer Fehlbildung der Speiseröhre zur Welt, seine Lebenserwartung ist gering. Seine Eltern sind jeden Tag bei ihm. Auch seine drei Geschwister besuchen ihn regelmäßig. Einen "normalen" Familientag zu verbringen wünschte sich die Familie sehnlichst. Aufgrund der intensivmedizinischen Versorgung, unter anderem mit Sauerstoff, Nahrungspumpe und mobilem Monitor zur Herzüberwachung, war der Transport für die Familie jedoch alleine nicht machbar. Deswegen wandte sich Leos Kinderkrankenschwester an den Wünschewagen in Franken. "Leo soll sein Zuhause kennenlernen", schrieb Kinderkrankenschwester Anke in ihrer Wunschanfrage. Die Umsetzung musste schnell gehen, denn Mitte April stand für Leo eine erste schwierige und riskante Herzoperation an - und er sollte vorher einmal sein Zuhause sehen.

Der Wünschewagen holte Leo in der Klinik ab und fuhr ihn - gemeinsam mit seinem Papa - in das Haus der Familie. Dort wurde er von seinen Geschwistern, Großeltern und weiteren Verwandten bereits sehnsüchtig erwartet. Der neun Monate alte Junge strahlte die ganze Zeit, er lachte und gluckste vor sich hin. Seine Sauerstoffsättigung war an diesem Tag so gut wie nie zuvor. Auch seine Eltern waren glücklich, ihren Jüngsten zu Hause zu haben. Das war das erste Mal, dass die ganze Familie außerhalb des Krankenhauses Zeit gemeinsam verbringen konnte.

news aktuell: Wo haben Sie die Bilder veröffentlicht und welche Resonanz hat es gegeben?

Vollmer: Die Bilder und die daraus entstehenden Geschichten haben wir auf diversen Kommunikationskanälen des ASB veröffentlicht: In den sozialen Medien, auf den Homepages, im ASB-Magazin, im Jahrbuch. Natürlich bestimmen unsere Fahrgäste bzw. die Angehörigen selbst, wie viel wir über die Fahrten und ihre persönliche Geschichte mit der Öffentlichkeit teilen dürfen. Die Bilder und die Geschichten finden großen Anklang und Zuspruch. Die Reaktionen sind durchweg positiv: vom Lob und Dank für die Wunscherfüller und das Engagement des ASB, gute Wünsche für die Fahrgäste und die Angehörigen bis hin auf die Metaebene - wie wichtig es ist, das Leben in jeden Moment zu genießen. Vielen Menschen wird das durch den Blick auf ein Bild einer Wunschfahrt erst wieder bewusst, heißt also, die Bilder bringen Themen wie Krankheit, Sterben und Tod wieder ins Bewusstsein. Sie erhalten hier Gesichter und Geschichten, machen das Ende des Lebens greifbar und zeigen, wie wichtig es ist, ein schönes Leben bis zuletzt zu leben und zu ermöglichen. Und sie demonstrieren, was ehrenamtliches Engagement alles bewegen kann - und wie bewegend es ist.

news aktuell: Die Bilder des Wünschewagens bewegen, weil sie starke Gefühle beim Betrachter auslösen. Ist es nicht manchmal eine Gratwanderung zwischen einerseits dem Zeigen dieser Gefühle und andererseits dem Respekt vor dem nahen Tod der gezeigten Menschen? Oder zugespitzt formuliert: Wie schafft man es, die Würde der sterbenden Menschen zu wahren, obwohl man ja gerade diese "Dramatik" für seine PR-Zwecke nutzt?

Vollmer: Es ist ein Spagat zwischen einer sensiblen, aber dennoch offenen und ehrlichen Kommunikation. Todkranken Menschen einen letzten Wunsch zu erfüllen ist eine Aufgabe, die sehr viel Einfühlungsvermögen und zwischenmenschliches Fingerspitzengefühl erfordert. Das gilt auch für die Bildsprache unserer Öffentlichkeitsarbeit. Oft sind es die kleinen Gesten - ein Blick, ein Händestreicheln oder eine Umarmung - die die gesamte Dramatik des Moments am besten kommunizieren. Wir stellen unseren Fahrgästen keine Regieanweisungen und fügen der Szene nie künstlich etwas hinzu. Ein einfühlsamer und wacher Blick auf das Geschehen ist alles, was es braucht, um Geschichten visuell überzeugend zu erzählen. Auch unseren Fahrgästen ist es oftmals ein Bedürfnis, ihre Geschichte mit dem Wünschewagen möglichst überall zu erzählen, weil sie hoffen, dass auf die Weise viele von dem Wünschewagen erfahren und noch vielen Menschen ein letzter Wunsch erfüllt werden kann.

news aktuell: Was würden Sie anderen NGOs bezüglich Bild-PR raten?

Vollmer: Authentisch bleiben und den Fokus auf die menschlichen Aspekte der eigenen Arbeit richten. Seitdem günstige Stockfotos den Markt überschwemmt haben, wirken perfekt inszenierte Fotos meist beliebig und austauschbar. Deshalb ist es wichtig, authentische und einzigartige Bildlösungen zu finden, die das Besondere der eigenen Arbeit herausstellen.

Haben Sie schon für die besten PR-Bilder des Jahres abgestimmt? Falls nicht, dann unbedingt noch voten: https://www.pr-bild-award.de/voting/

Dieser Beitrag ist ein Original-Post aus dem news aktuell Blog:

https://treibstoff.newsaktuell.de/bild-pr-beim-arbeiter-samariter-bund/

Beim news aktuell-Blog geht es um die Themen Kommunikation, PR, Pressearbeit,
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