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20.11.2006 – 10:47

Greenpeace e.V.

Siesta für die Tiefsee
Greenpeace protestiert vor spanischer Botschaft gegen zerstörerische Fischerei

Berlin (ots)

Seit dem Morgen hängen zwei Greenpeace-Aktivisten
in einem Grundschleppnetz auf dem Gelände der spanischen Botschaft in
Berlin. Das Banner am Netz trägt die Aufschrift "Spanien: 
Tiefsee-Zerstörer!" Die Umweltschützer protestieren gegen die 
Blockadehaltung Spaniens bei den UN-Verhandlungen für ein 
Sofortverbot der Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See. Das 
vorläufige Ende der zerstörerischen Fischerei mit riesigen Netzen ist
gerade Thema auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) 
in New York.
"Die Tiefsee ist eines der ältesten und facettenreichsten 
Ökosysteme dieses Planeten", sagt  Iris Menn, Meeresbiologin bei 
Greenpeace. "Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung, die durch diese 
Art der Fischerei dort angerichtet wird, ist es mir unbegreiflich, 
wie Spanien bei der  Ablehnung bleiben kann. Und wir reden von 64 
Prozent unserer Ozeane, über deren Schutz oder Vernichtung in New 
York verhandelt wird. Die Tiefsee braucht dringend eine Siesta. "
So genannte Grundschleppnetze sind bis zu 200 Meter lang. Sie 
werden durch tonnenschwere Scherrbretter offen gehalten und mit 
Eisenkugeln von einem halben Meter Durchmesser an der Vorderseite 
bestückt. Damit durchpflügen sie den Meeresboden, nicht das kleinste 
Lebewesen kann ihnen entkommen. Weltweit wird jedes Jahr ein Gebiet 
dreißig mal größer als Spanien auf diese Art und Weise komplett 
vernichtet. Es gleicht der Abholzung eines Urwaldes. Spanien ist 
eines von elf Ländern, die eine Flotte von Grundschleppnetz-Fischern 
unterhalten.
Während andere EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland, 
Großbritannien, Schweden, Österreich, Belgien, die Niederlande, 
Dänemark und Ungarn auf ein Moratorium für die 
Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See zusteuern, hat sich 
Spanien offenbar geschworen, das Abkommen zu vereiteln.  Doch auch 
die pazifischen Inselstaaten, Neuseeland, Australien, Norwegen, die 
USA, Indien, Brasilien und Südafrika haben sich für ein befristetes 
Verbot ausgesprochen. Die Hohe See, der Meeresbereich jenseits der 
200 Seemeilen vor den Küsten und außerhalb der Wirtschaftszonen der 
Länder, ist Allgemeingut. Für 75 Prozent der Hohen See gibt es bisher
keinerlei Regeln.
"Wir reden über ein zeitweilig befristetes Verbot", sagt Menn. 
"Dieses Verbot soll der Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See 
solange Einhalt gebieten, bis die Wissenschaft die sensiblen und 
wertvollen Gebiete identifiziert hat. Und die Fischerei soll so lange
gestoppt werden, bis die Regierungen Regelungen zu Schutz und Nutzung
erarbeitet haben. Nur ein effektives Fischereimanagement sichert auch
langfristig die Arbeitsplätze in der Fischerei."
Achtung Redaktionen: Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an
Dr. Iris Menn unter Tel.: 0171 - 888 0023 oder an Pressesprecher 
Björn Jettka unter Tel.: 0171 - 8780 778.
Film- und Fotomaterial können wir zur Verfügung stellen.
Internet: www.greenpeace.de/sosweltmeer.

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