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Terrorrisiko bei Atomkraftwerken jetzt offiziell
Greenpeace-Studie belegt unzureichendes Sicherheitskonzept

Hamburg (ots)

Die künstliche Vernebelung von Atomkraftwerken
bietet keinen ausreichenden Schutz vor Terrorangriffen aus der Luft. 
Das Risiko für die Bevölkerung wird bei einem Anschlag nicht 
verringert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der 
Umweltorganisation Greenpeace, die heute veröffentlicht wurde. In 
Kürze soll am Atomkraftwerk Grohnde des Energieversorgers Eon eine 
Pilotanlage mit Nebelgranaten zur Abwehr von Angriffen aus der Luft 
bestückt werden. Damit geben die Betreiber nun die Terrorgefahr 
offiziell zu, die sie bis jetzt immer verschwiegen hatten.
"Das Vernebelungskonzept der Kraftwerksbetreiber erhöht nicht die 
Sicherheit, sondern ist nur der Versuch, eine Schein-Sicherheit 
aufzubauen, die die Akzeptanz der Atomenergie in der Bevölkerung 
erhöhen soll," sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. "Die 
Verantwortlichen gestehen mit der Installation der Anlagen das große 
Terrorrisiko von Atomkraftwerken ein, ohne eine ernsthafte Lösung 
anzubieten." Ein Alternativkonzept sieht beispielsweise 
Schutzstrukturen rund um das Atomkraftwerk aus drei bis fünf Meter 
dicken Stahlbetonwänden und einem zusätzlichen Stahlnetz über der 
Kuppel vor. Trotz der höheren Sicherheit favorisieren die Betreiber 
das billigere Vernebelungskonzept. "Der Angriff auf einen Reaktor 
stellt damit weiterhin ein ernstes Problem dar. Die einzig richtige 
Antwort auf diese Bedrohung kann nur das Abschalten und die 
Stilllegung der Anlagen sein," so Smital weiter.
Die 17 in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke sind alle nicht 
gegen den bewusst herbeigeführten Absturz eines Verkehrsflugzeuges 
geschützt. Eine nachträgliche Verstärkung der Reaktorhülle ist nicht 
möglich. Die Kraftwerke Biblis A, Brunsbüttel und Philippsburg 1 sind
sogar nur für den Absturz eines Sportflugzeuges ausgelegt. Nach den 
Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde im Juni 2003 von den 
Betreibern der deutschen Atomkraftwerke ein Konzept zur künstlichen 
Vernebelung der Anlagen bei einem Terrorangriff vorgelegt. Es wurde 
im Frühjahr 2004 vom Bundesministerium für Naturschutz und 
Reaktorsicherheit als "nicht ausreichend" zurückgewiesen, und die 
Betreiber wurden zu Nachbesserungen aufgefordert. Im 
niedersächsischen Grohnde soll nun eine Pilotanlage in Betrieb gehen.
Die Greenpeace-Studie führt mehrere Kritikpunkte an dem 
Sicherheitskonzept auf. So wird die aus dem militärischen Bereich 
stammende Vernebelungstaktik dort ursprünglich nur für bewegliche 
Ziele verwendet. Auch könnte die bewusste Auslösung der Einnebelung 
sogar von Terroristen genutzt werden, um die entstehende 
unübersichtliche Situation für einen gezielten Angriff am Boden zu 
nutzen.
Ein Terrorangriff mit dem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk kann zur 
nationalen Katastrophe werden. Die freigesetzte Menge radioaktiver 
Schadstoffe könnte durch den Qualm des brennenden Kerosin weit 
verbreitet werden. Rund 100.000 Quadratkilometer Fläche könnte 
langfristig so verseucht werden, dass die Bevölkerung umgesiedelt 
werden müsste.
Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Heinz Smital unter Tel. 
0171-87 80 803 oder Pressesprecher Jan Haase unter 0171-87 00 675. 
Die Studie finden Sie auch auf unserer Internetseite: 
www.greenpeace.de

Original-Content von: Greenpeace e.V., übermittelt durch news aktuell

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