Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Die Welt lacht über Trump
Während der US-Präsident Amerika immer weiter isoliert, schaffen andere Fakten
Von Thomas Spang

Regensburg (ots) - In nicht einmal zwei Jahren hat Donald Trump die USA von der Führungsmacht des Westens zu einer Lachnummer degradiert. Sprichwörtlich. Als der Präsident in seiner zweiten Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen die "unvergleichlich großartigen Leistungen" seiner Regierung hervorhob, brachen die Staats- und Regierungschef spontan in Gelächter aus. Während sich das "Enfant terrible" der Weltpolitik freut, wenn andere sich über seine Provokationen aufregen, geht es dem Narzissten sichtbar unter die Haut, ausgelacht zu werden. Diese Reaktion erweist sich als effektives Rezept, den selbstverliebten Präsidenten zu verunsichern. Dabei ist der Entwurf seiner parallelen Wirklichkeit vor den Vereinten Nationen in der Sache eine ziemlich traurige Angelegenheit. Zumal Trump kaum jemand in diese Sphären folgen möchte, in denen sich früher einmal illusionäre Sowjetführer, arabische Despoten und lateinamerikanische Populisten bewegt haben. Niemand dürfte sich mehr über die Selbstdemontage freuen, als die Volksrepublik China, die von dem Rückzug der Supermacht profitiert, wie kein anderes Land. Es verheißt nichts Gutes für die Welt, wenn das kommunistische Regime in Peking als verlässlicher und vernünftiger gesehen wird, als die USA. Das öffnet der Volksrepublik in vielen Teilen der Welt die Tür für ihre Scheckbuch-Diplomatie. Ironischerweise versteht gerade die Volksrepublik Trumps außenpolitisches Konzept - das aus dem 19. Jahrhundert stammt, in dem souveräne Großmächte in Rivalität zueinander standen - besser für sich zu nutzen, als dessen Verfechter auf der Bühne der Vereinten Nationen. Wenn Trump gegen die "Ideologie des Globalismus" wettert, unterminiert er die Ordnung, die Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg selber geschaffen hat. Dass es dabei nicht bleibt, zeigt die Praxis der zurückliegenden Monate. Der "Amerika-Zuerst"-Präsident brach einen Handelskrieg mit China vom Zaun, stellte das Freihandelsabkommen Nafta in Frage und bedroht die Europäische Union mit weiteren Strafzöllen. Er stieß den Partnern beim G7-Gipfel in Kanada vor den Kopf, ätzte gegen die Nato und drohte den Unterstützern des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Gleichzeitig zog er die USA aus dem UN-Menschenrechtsrat, der Weltkultur-Organisation Unesco und dem Flüchtlingshilfswerk für die Palästinenser heraus. Und predigt nationalstaatlichen Egoismus, der als "Souveränität" verpackt daherkommt. Er sei der "Präsident der Vereinigten Staaten", nicht "der Präsident der Welt". Nirgendwo wird der schwindende Einfluss deutlicher als in Bezug auf den Iran. Während Trumps Appell zur Isolierung des Gottesstaates verpufft, formiert sich eine Koalition aus Europäern, Russen und Chinesen, die an den Prinzipien der Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit festhalten will. Im offenen Widerspruch zu Trump soll eine Zweckgesellschaft gegründet werden, deren einziges Ziel darin besteht, die einseitigen Sanktionen der USA zu unterlaufen. Keine zwei Jahre nach Beginn der "Amerika-First"-Präsidentschaft zeichnet sich bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen der Versuch ab, das Vakuum zu füllen, das der Nationalist im Weißen Haus hinterlässt. Die Welt beginnt sich ohne die USA neu zu organisieren. Trump hat die Vereinigten Staaten erkennbar isoliert. Derweil schaffen andere Fakten. Die Handelsströme organisieren sich ebenso neu wie politische Zweckallianzen. Der Abschied aus einer internationalen Ordnung, die Amerika selber geschaffen hat, um ihre Macht für andere verträglich zu gestalten, isoliert Washington und macht die US-Diplomatie ineffektiv. Wenn die Welt über einen US-Präsidenten lacht, zeigt das mehr als alles andere, wie ernst die Lage ist.

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